Nr. 29/2014 vom 17.07.2014

Décroissance gegen die Ecopopper

Von Adrian Riklin

Wachstumskritik muss nicht fremdenfeindlich sein. Kann aber. Der Verein Ecopop zum Beispiel ist fremdenfeindlich wachstumskritisch. Oder wachstumskritisch fremdenfeindlich: Um den Ressourcenverbrauch in der Schweiz zu bremsen, will er mit seiner Initiative die Nettozuwanderung auf 0,2 Prozent reduzieren. Also annähernd verbieten.

Daraus aber den Schluss zu ziehen, alles, was wachstumskritisch sei, sei latent fremdenfeindlich, wäre so absurd, wie Ecopop und die wachstumskritische Décroissance-Bewegung in die gleiche Ecke zu stellen.

In der Hitze des Disputs sind beim Autor Thomas Haemmerli die Koordinaten durcheinandergeraten: Am 27. Januar – kurz vor der Abstimmung über die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» – sagte er in einem Interview auf 3sat, die ökosoziale Décroissance-Bewegung habe Sympathien für die Ecopop-Initiative. Dagegen sei hier aus einem Positionspapier von Décroissance Bern zur Ecopop-Initiative vom Juni zitiert: Statt wie Ecopop «das globale Bevölkerungswachstum mit freiwilligen Massnahmen zur Geburtenkontrolle bremsen und gleichzeitig das immigrationsbedingte Bevölkerungswachstum in der Schweiz beschränken» zu wollen, plädiert Décroissance Bern dafür, «auf eine Angleichung der globalen ökonomischen Struktur unter Berücksichtigung der ökologischen Grenzen hinzuarbeiten». Für die Schweiz als «Land an der Spitze der materiellen Reichtumspyramide» bedeute dies, «das Bruttoinlandsprodukt absolut und pro Kopf schrittweise zu senken».

Wachstumskritik kann also auch kapitalismuskritisch sein.

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