Nr. 48/2014 vom 27.11.2014

Und dann war der einzige Professor weg

Von Nina Kunz

Vor zweieinhalb Jahren kaufte sich die UBS in die Universität Zürich ein, indem sie das UBS International Center of Economics in Society sponserte. Nun die Entwarnung: Wer die Unabhängigkeit der Wissenschaft dadurch bedroht sah, sei unbesorgt. Denn am Institut finden weder Forschung noch Lehre statt, derzeit ist keiner der fünf Lehrstühle besetzt. Der einzige bisher eingestellte Professor lief der Universität nach nur einem Jahr davon.

Aber von Anfang an: Im April 2012 spendete die UBS zu ihrem 150-jährigen Bestehen hundert Millionen Franken an die Uni Zürich, um am Institut für Volkswirtschaftslehre fünf neue Lehrstühle zu schaffen. Das Ziel: «Lösungen für wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen».

Nun ist der einzige gesponserte Professor, der 39-jährige George-Marie Angeletos, nach zwei Semestern in die USA zurückgekehrt. Seine Herkunftsuniversität, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), bot ihm einen besseren Lohn. Es sei schwierig, im «Zürcher Lohnkorsett» solche «Stars» zu halten, rechtfertigte Institutsleiter Ernst Fehr den Abgang.

Da keine ordentliche Professur besetzt werden kann, weicht das UBS-Center auf Gastprofessuren aus. Zurzeit ist Andrei Levchenko von der University of Michigan für ein Jahr verpflichtet. Wie die WOZ erfahren hat, soll bald bekannt gegeben werden, wer Angeletos’ Nachfolge antritt.

Der davongelaufene Professor ist mehr als eine Anekdote. Dass kein Lehrstuhl besetzt ist, stellt die Legitimation des Instituts infrage. Die BefürworterInnen des Sponsorings argumentierten stets, das Geld sei anzunehmen, um die Forschung voranzutreiben. Ohne ProfessorInnen ist das schlecht möglich. Dass Angeletos in die USA zurückgekehrt ist, zeigt aber auch, dass in der Wissenschaft dieselben Regeln gelten wie in der Wirtschaft: Es wird um Forscherinnen gebuhlt wie um Manager. Aber sind wirklich jene Personen die besten, die man für viel Geld einkaufen kann? Das UBS-Institut wird solche Vorgänge kaum kritisch erforschen – es funktioniert ja selbst nach dieser Logik.

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