Nr. 51/2014 vom 18.12.2014

Die Knospe-Kuh und die konventionellen Schweine

Von Bettina Dyttrich*

Die Schweiz ist klein. Und die Bauern und Bäuerinnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf Mist statt Kunstdünger, auf ein gesundes Bodenleben statt Pestizide setzten, waren wenige. So organisierten sie sich: im Verband, der heute Bio Suisse heisst. Er definierte die Richtlinien und erfand das Schweizer Biolabel, die Knospe.

In Deutschland hingegen entstanden mehrere Verbände mit verschiedenen Richtlinien. Aber viele BiolandwirtInnen gehören zu keinem Verband, sondern produzieren nach der weniger strengen EU-Bioverordnung. Ein EU-Bioprodukt, das nur das Standardlabel trägt (grünes Sechseck oder Blatt aus weissen Sternen auf grünem Grund), muss weniger strengen Anforderungen genügen als ein Knospe-Produkt.

Der wichtigste Unterschied ist die Gesamtbetrieblichkeit: In der Schweiz ist ein Hof ganz bio oder gar nicht. In der EU kann ein Bauer Bioäpfel anbauen oder Biorinder halten und daneben konventionell Schweine mästen – was die Transparenz nicht gerade fördert. Die Knospe-Kuh darf im Sommerhalbjahr jeden Monat mindestens 26 Tage auf die Weide, die EU-Biokuh oft nur in den Laufstall; die Knospe-Kuh frisst höchstens zehn Prozent Kraftfutter, die EU-Biokuh bis zu vierzig.

Auch im Pflanzenbau ist einiges anders: Knospe-Gewächshäuser dürfen zwar frostfrei gehalten, aber darüber hinaus nicht geheizt werden. Die Vorschriften zu Düngern und Fruchtfolge sind strenger, und Transporte mit dem Flugzeug sind verboten.

Nicht zu vergessen die Verarbeitung. Auch hier geht die Knospe weiter als die EU-Bioverordnung: Verboten sind Aroma- und Farbstoffe – sogar Randensaft im Joghurt, weil er etwas vortäuscht. Zusätzlich gibt es Vorschriften zu Verarbeitungsverfahren und Verpackungsmaterial, was in der EU-Verordnung fehlt.

* Wunsch von 
Melissa L’Eplattenier: «Vergleicht deutsche und schweizerische Biostandards.»

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