Nr. 51/2014 vom 18.12.2014

Künftig nur noch ein Peso

Seit zwanzig Jahren gibt es kubanische und konvertible Pesos. Jetzt sollen die Währungen wiedervereinigt werden.

Von Toni Keppeler*

Rote kubanische Pesos und grün-blaue konvertible Pesos zirkulieren auf zwei verschiedenen Märkten. Foto: Andreas Bodmer

Was das Geld angeht, gehört Fidel Castro nicht zu den Privilegierten in Kuba. Der Staats- und Parteichef im Ruhestand bezieht seine Rente (wie früher auch sein Gehalt) in kubanischen Pesos. Umgerechnet dürften das kaum mehr als zwanzig Franken im Monat sein. Damit lässt es sich leben. Nicht gut, aber man kommt gerade so über die Runden. Die meisten KubanerInnen zahlen keine Miete, Strom und Wasser kosten kaum ein paar Rappen, das Nötigste zum Überleben bekommt man für lächerliche Beträge in staatlichen Verkaufsstellen auf Bezugsschein. Schule und ärztliche Versorgung sind gratis, und wer aus gesundheitlichen Gründen Diätkost braucht – was bei Fidel Castro nach zwei grossen Darmoperationen anzunehmen ist –, bekommt auch die fast umsonst.

Wenn es jedoch nur wenig gibt in den staatlichen Verteilstellen – und das ist eher die Regel –, dann braucht man neben den kubanischen Pesos auch sogenannte CUC. Das Kürzel steht für konvertible Pesos. Diese Währung ist im Verhältnis eins zu eins an den US-Dollar gebunden und kann jederzeit in staatlichen Wechselstuben gegen ausländische Devisen erworben werden. Der CUC wurde 1994 eingeführt, um neben dem rasant verfallenden kubanischen Peso (kurz: CUP) eine eigene stabile Währung zu haben. Denn stabil war in Kuba während der Krise nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nur der US-Dollar. Mit dem CUC wurde die Währung des Feinds wieder verdrängt. Jetzt, nach zwanzig Jahren, soll auch der CUC verschwinden.

Zweiklassengesellschaft

KubanerInnen haben keine Probleme, die beiden Währungen auseinanderzuhalten: Sie zirkulieren auf zwei unterschiedlichen Märkten. Gegen CUP gibt es die karge staatliche Grundversorgung, alles andere kostet CUC. Und weil die staatliche Grundversorgung im besten Fall drei Wochen im Monat abdeckt, sind ein paar CUC immer nützlich. Kein Problem, wenn man Geld von Verwandten im Ausland bekommt. Kein Problem auch für alle, die in der Tourismusindustrie arbeiten: Trinkgelder werden in CUC gegeben. Wer aber – wie Fidel Castro und rund die Hälfte der Bevölkerung – ausschliesslich über CUP verfügt, für den oder die wird das Leben unbezahlbar. Um über die Runden zu kommen, muss man CUP in CUC eintauschen – zu einem derzeitigen Wechselkurs von 24 CUP zu einem CUC.

Man mag sich damit trösten, dass früher alles noch schlimmer war: Anfang der neunziger Jahre noch wurde der US-Dollar zu über 200 CUP gehandelt; ein übliches Gehalt lag damit bei umgerechnet rund zwei Franken im Monat. Auch der heutige Wechselkurs ist nicht realistisch. Der völlig überbewertete CUC dient dem Staat vor allem dazu, die von ExilkubanerInnen geschickten Devisen einzusammeln. Niemand würde seine Dollars tauschen, bekäme er nicht eine attraktive Währung dafür. Faktisch wurden mit den beiden Währungen zwei Klassen geschaffen: Wer Zugang zu Devisen hat, kommt locker über den Monat; wer ausschliesslich kubanische Pesos einnimmt, hat enorme Probleme.

Eben deshalb hat der Parteitag der Kommunistischen Partei 2011 beschlossen, wieder eine einheitliche Währung einzuführen, und die soll der alte kubanische Peso sein. Im Oktober verkündete Zentralbankchef Ernesto Medina, eine Arbeitsgruppe sei dabei, den «Tag null» vorzubereiten: den Tag, an dem der CUC verschwindet. Wirtschaftsminister Marino Murillo versprach der Volkskammer, man werde die beiden Währungen «ohne Schock und traumatische Erfahrungen für die Bevölkerung» zusammenführen. In einem ersten Schritt werde die Währungseinheit ausschliesslich für Unternehmen gelten. Erst wenn man damit Erfahrungen gesammelt habe, solle auch bei Dienstleistungen und Konsumgütern ausschliesslich in CUP gerechnet werden.

Planspiele für die Einheitswährung

Absurderweise ist ein CUP für Unternehmen viel mehr wert als für die Bevölkerung: Für Firmen gilt der staatlich festgesetzte Wechselkurs von eins zu eins zum US-Dollar. Das macht zwar Importe für die Fabriken spottbillig, kommt aber den Staat, dem die Betriebe gehören, sehr teuer zu stehen. Für Unternehmen ist der kubanische Peso mindestens so überbewertet, wie er für den privaten Konsum unterbewertet ist. ÖkonomInnen an der Universität Havanna legen bei ihren Planspielen für die Einheitswährung derzeit einen generellen Wechselkurs von eins zu zehn zugrunde. Das würde Firmen, die Rohstoffe importieren, schnell in Bedrängnis bringen; die wenigen Exportunternehmen aber würden davon profitieren.

Wie das ohne grössere Verwerfungen geschafft werden kann, darüber denkt die vom Wirtschaftsminister geführte Arbeitsgruppe nach. Ein Ergebnis ist noch nicht in Sicht, Konsequenzen für die fragile kubanische Wirtschaft sind kaum absehbar. Die Folgen für die Bevölkerung dagegen sind einfacher zu prognostizieren. Da man nach der Vereinheitlichung der beiden Währungen sicher mehr als einen Peso für einen US-Dollar bekommt und ganz sicher weniger als 24, werden jene, die Zugang zu Devisen haben, tendenziell verlieren, alle anderen aber gewinnen. Die beiden vor zwanzig Jahren entstandenen Klassen werden näher zusammenrücken, und Fidel Castros Rente wird von einem Tag auf den anderen ziemlich viel an Kaufkraft gewinnen.

* Wunsch von Willi 
Hangartner: «Wie will Kuba seine beiden 
Währungen 
zusammenführen?»

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