Nr. 10/2015 vom 05.03.2015

Das ist zu begrüssen!

Ruedi Widmer will noch mehr JournalistInnen in der Politik

Von Ruedi Widmer

Auch wenn ich nicht immer seiner Meinung bin, sollte Roger Köppel Nationalrat werden. Es ist überhaupt nicht einzusehen, weshalb ein Journalist, und ein rhetorisch begabter dazu, das nicht sollte. Besonders einer, der weiss, wie man politisiert. Köppel schafft es, eine einfache Weltanschauung so zu verkomplizieren, dass er sie nachher wieder, für das einfache Gemüt beeindruckend, in ihre Einfachheit entwirren kann. Das tut gut.

Der Deutsche Martin Sonneborn war Journalist, bevor er in den Europarat berufen wurde, Winston Churchill auch. Es sind sehende Menschen, denen die Politik in die Wiege gelegt wurde.

Gerade Köppel kann den Schreinern, Computerverkäufern, Bauern, Medizinmuseumsdirektoren, Ziegenhirten, Bauunternehmern oder Mediafrauen, die die SVP bis jetzt in den Nationalrat brachte, zeigen, wie es wirklich geht. Denn der Gang durch die Institutionen, Gemeinderäte, Kantonsräte, macht ohne journalistische Erfahrung betriebsblind, und man wird zum Geldverschwender.

Diese Politbüezer sollen sich jetzt hinten anstellen und von Roger Köppel lernen, wie man das Ding auf nationaler Ebene durchzieht. Es ist erfreulich, wie sie das so neidlos mit sich machen lassen. Der Beweis, dass sich SVP-PolitikerInnen einzig im Dienst der Schweiz sehen.

Frank A. Meyer wartet nun sicher auf den Anruf der SP. Die CVP könnte den Kolumnisten Helmut-Maria Glogger bringen, die Grünen den «Magazin»-Mann Daniel Binswanger, und für die AL sehe ich einige WOZ-JournalistInnen als Zürcher Polizeivorstände. Für die FDP wäre der einstige «Arena»-Moderator Filippo Leutenegger der passende Mann. Weitere gute Politiker dürften in Deutschland der verrückte «Bild»-Kolumnist Franz Josef Wagner (CDU) sein oder der antisemitisch veranlagte Jakob Augstein («Spiegel», «Freitag») für die SPD (als Sarrazin-Nachfolger). Henryk M. Broder wiederum wäre für die AfD Kanzlerkandidat.

Die JournalistInnen sollen endlich arbeiten statt nur grosse politische Töne von sich geben. Sie wissen schliesslich täglich alles besser, und das sollte sich eine Gesellschaft zunutze machen. Natürlich ist das schwer zu verstehen für die heutigen gewählten NichtjournalistInnen wie Angela Merkel (Chemielaborantin), Ulrich Giezendanner (Fuhrhalter), Daniel Jositsch (Professor), Susanne Leutenegger Oberholzer (Ökonomin) oder Claudio Zanetti (Twitterer).

Es ist zu hoffen, dass sich Roger Köppel als Nationalrat auch für den Journalismus einsetzt, also für die Billag-Abschaffung und SRF-Beschneidung, vielleicht gar für ein Verbot von linken Zeitungen.

Denkbar wäre für die heutigen nicht journalistischen PolitikerInnen eine Schnellbleiche in Journalismus. NichtjournalistInnen bringen in der Politik nichts mehr zustande, wie Simonetta Sommaruga (Klavierlehrerin) oder die beiden Baggerfahrer Johann Schneider-Ammann und Paul Accola beweisen. Die SVP ist journalistisch die am weitesten entwickelte Partei. Ihre Nationalräte Christoph Mörgeli und Peter Keller sind bereits Leserbriefschreiber beziehungsweise Journalist, Markus Somm gar NZZ-Chefredaktor, aber von Alfred Heer würde ich gerne mal was lesen, meinetwegen auch einen Roman. Wie Politik und Schriftstellerei zusammenpassen, bewies Altbundesrat Merz mit seinem erotischen Bestseller «Der Landammann», der sich weltweit über 5,7 Millionen Mal verkauft hat.

Cartoonist Ruedi Widmer geht erst in 
den Nationalrat, wenn er muss.

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