Nr. 16/2015 vom 16.04.2015

Der Präsidentensohn und die «tickenden Zeitbomben»

Von Corina Fistarol

Seit Wochen machen Einheimische im südafrikanischen Durban Jagd auf EinwanderInnen. Am 13. April ist die Gewalt nochmals eskaliert: Ein Mob von Tausenden von Menschen zog durch die Townships von KwaZulu-Natal und bewarf die aus den Nachbarländern sowie aus Somalia und Äthiopien stammenden ImmigrantInnen mit Steinen. Über 2000 Menschen wurden vertrieben, viele verloren ihren gesamten Besitz. Mehrere Menschen wurden getötet, zwei bei lebendigem Leib verbrannt.

Angeheizt wurde die neu aufgeflammte Fremdenfeindlichkeit von hoher Stelle: Vor zwei Wochen hatte der populäre Zulu-König Goodwill Zwelithini gefordert, dass AusländerInnen Südafrika unverzüglich verlassen sollten: Sie nähmen den Einheimischen Jobs und Wohnraum weg. Verteidigungsministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula nahm den König in Schutz: Er habe «keine aufwieglerische Rede» gehalten, sagte sie in einem Interview. Auch Edward Zuma, der älteste Sohn von Präsident Jacob Zuma, stimmte dem Zulu-König zu und ergänzte, AusländerInnen seien «tickende Zeitbomben», die Südafrika übernehmen wollten.

Der Präsident scheint sich zwar in erster Linie um den Ruf des Landes zu sorgen: Südafrika müsse ein sicherer Ort für Investitionen bleiben und die politische Vormachtposition auf dem Kontinent behalten. Doch Zuma hat die xenophobe Gewalt auch verurteilt und die Sicherheitskräfte in den betroffenen Quartieren aufstocken lassen. Denn die Situation erinnert an die Gewaltspirale von 2008: Ausgehend von Johannesburg, schwappte eine Welle der Aggression gegen AusländerInnen auf andere Städte über. Mehr als sechzig Menschen wurden damals getötet und über 20 000 vertrieben.

Nach scharfer Kritik ruderte König Zwelithini nun zurück und ermahnte den Mob, die Jagd auf ImmigrantInnen zu stoppen. Dutzende von AufwieglerInnen wurden inzwischen verhaftet, Tausende von AusländerInnen sind aber auf der Flucht. Ob sich die gewalttätigen Minderprivilegierten von Durban davon überzeugen lassen, dass nicht die «Fremden» für ihre Misere verantwortlich sind, ist unklar.

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