Nr. 17/2015 vom 23.04.2015

Tragik der Männerwahl

Susi Stühlinger über die Lebensaufgabe der Frau

Von Susi Stühlinger

Es war wie bei seiner Premiere als Kämbel-Zünfter am diesjährigen Sechseläuten: Manchmal war die Zeit einfach abgelaufen. Wie bei dem armen Gaul – dessen Zeit gerade beim Umreiten des Bööggs abgelaufen war – ging es mit allen Tieren dieser Erde irgendwann zu Ende, so auch mit der Frau. Ein guter Gedanke, dachte Roger Köppel, etwas gekäppelt vom guten Zunftwein des Abends, das schreibe ich ins nächste «Weltwoche»-Editorial.

So sollte es geschehen. Um einer solchen Aussage zusätzliches Gewicht zu verleihen, würde er aus dem Quell seines nimmer versiegenden Füllers eine zusätzliche Autorität erschaffen, aus deren Mund dieser Gedanke kommen könnte, auf dass er ihn aufnähme und weiterspänne. Er notierte sich auf seine Stoffserviette: «Eine bekannte Schweizer Autorin schreibt mir eine E-Mail: ‹Für Frauen ist die grösste Tragik beim Älterwerden der Verlust der Schönheit, oder, anders gesprochen, nicht mehr in der Lage zu sein, einen Mann um seinen Verstand zu bringen.›»

Daraus liess sich zweifelsfrei folgern, was der Zunftmann zum Kämbel tags darauf, brauner Schminke und Beduinenkostüms nunmehr entledigt, vom süssen Nektar der Erkenntnis durchtränkt in die Tasten hackte: «Der Satz ist eigentlich ein Plädoyer für die Familie. Macht kann korrumpieren, Schönheit auch. Vor allem schöne Frauen müssen rechtzeitig eine Familie aufbauen, die auch dann noch hält, wenn die Macht der Schönheit schwindet. Die Wahl des richtigen Mannes ist die wichtigste und schwierigste Lebensaufgabe der Frau.»

Was passierte, wenn Frauen diesen Rat nicht beherzigten und sich um ihre wichtigste Lebensaufgabe foutierten, zeigte sich allerorten derzeit wieder deutlich. Der jugendlichsten Schönheit einmal beraubt, versuchten sie verzweifelt, ihrem verwirkten Leben doch noch irgendeinen Sinn beizubringen, zum Beispiel, indem sie in die Politik gingen, wo sie grossen Schaden anrichteten. Sogar in den eigenen Reihen. Zum Beispiel diese Sarah Bösch, die potenziell gute Partien in der Partei stets nur benutzt hatte, um ihr schwachsinniges, zum Scheitern verurteiltes Behindertekinderkrippenprojekt zu finanzieren und dann, im Bewusstsein ihres Versagens hinsichtlich der wichtigsten Lebensaufgabe, dem Alkohol verfiel, betrunken in eine Polizeikontrolle raste und der SVP damit einen riesigen Imageschaden bescherte. Mit dem richtigen Mann an der Seite wäre das alles nie passiert.

Leider musste jedoch auch konstatiert werden, dass daraus mitnichten der Umkehrschluss gezogen werden konnte, dass Frauen, die ihre Lebensaufgabe pflichtschuldigst erfüllt hatten, keinen Schaden mehr verursachen konnten. Zum Beispiel Magdalena Martullo-Blocher. Deren Nationalratskandidatur schadete Köppels eigenen Ambitionen, seinen Vater im Geiste, Christoph Blocher, dereinst zu beerben, ganz immens. Allerdings, so musste bedacht werden, war vielleicht doch auch Frau Martullo-Blocher bei ihrer Lebensaufgabe gescheitert. Möglicherweise war ein erfolgloser Kantonsratskandidat wie Roberto Martullo schlichtweg der falsche Mann.

Susi Stühlinger fährt gar nicht erst Auto.

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