Nr. 18/2015 vom 30.04.2015

Petri Heil!

Etrit Hasler fordert spartanische Massnahmen gegen Hobbyfischer

Von Etrit Hasler

In Zeiten von Lügenpresse und Denkverboten ist es immer Balsam für unser aller Seelen, wenn ein mutiger Journalist vortritt und ein Tabu bricht, indem er eine auch unpopuläre Forderung stellt oder sich mit einer mächtigen Lobbygruppe anlegt. So geschehen letzte Woche im «Tages-Anzeiger», der endlich eine der grossen Fragen unserer Zeit öffentlich aufwarf: «Werden Kinder durch Fischen aggressiv?»

Unterstützt von Forensikpsychiater Frank Urbaniok – bekannt aus Artikeln wie «Der mit den schweren Jungs» oder «Chefarzt mit Nebenwirkungen» –, kam die Zeitung zum Schluss, das Töten von Fischen könne «zu einer Abstumpfung gegenüber tierischem Leid führen», und es wurden Szenen wie diese aus der Jugend der Redaktoren beschrieben: «Dann begann, worauf alle warteten: das Töten. Wer getraut sich, einer Brachsme den Kopf zu zertrümmern? Wer dreht ihr den Hals um? Wie lange dauert es, bis ein Fisch erstickt? Lebt er länger, wenn man Wasser über den Kopf träufelt?»

Ich bin froh darum, dass der «Tagi» dieses Tabu gebrochen hat. Denn wir kennen alle die Folgen des unkontrollierten Fischereisports: Heerscharen von HipsterInnen (gibts die überhaupt in weiblich?), die die ehemals unberührten Flussufer verstopfen und alles aus den phosphatfreien Wassern zerren, was ihnen unter den Haken gerät. Dazu plärrt Büne Huber weltverdrossen in ihren Beats-Kopfhörern: «Mir wärs so läng wie breit / öb i ne usezie / oder är mi dry.» Eine offensichtlich latent aggressive Grundhaltung.

Es ist nun an der Politik, hier sofort Massnahmen zu ergreifen respektive diese auch konsequent anzuwenden: Eine Alterslimite fürs Fischen, wie sie vom Schweizer Tierschutz gefordert wird, kann nur der Anfang sein.

Besonders aber müssen die barbarischen Exzesse im Fischereisport sofort mit einem Alkoholverbot (ohne Alkoholkonsum ist das Fischen kaum attraktiv) und einem Sprengstoffverbot eingedämmt werden – gerade das Sprengstofffischen ist ja eine weitverbreitete Praxis in der Fischerei, nun gut, vielleicht nicht in der Schweiz, aber: Wehret den Anfängen! In diesem Zusammenhang wies der Ostschweizer Barde Jack Stoiker in seinem Gassenhauer «Petri Heil» schon vor Jahrzehnten auf die modischen und musikalischen Zusammenhänge zwischen Fischern und Nazis hin.

Rayonverbote für Wiederholungstäterinnen und eine Datenbank für fehlbare oder auch nur auffällige Fischer sind ein Muss, wenn dieser Gewalt ein Ende bereitet werden soll. Und nicht zuletzt müssen AuswärtsfischerInnen direkt an den Bahnhöfen abgefangen und in ihre Heimkantone zurückgeführt werden. Das mutige Auftreten der Aargauer Kantonspolizei gegen eine vermummte Fischereizelle, die sich perfiderweise als FCZ-Fans getarnt hatte, muss in diesem Zusammenhang als vorbildlich gelobt werden. Und nicht zuletzt muss endlich die Flut an Fischervideospielen eingedämmt werden, die aus Japan zu uns herüberschwappen und dieses fragwürdige, ja kriminelle Verhalten verharmlosen und glorifizieren, bevor auch bei uns eine Katastrophe geschieht – denn der Zusammenhang zwischen Fischerei und Amokläufen ist ja hinreichend bekannt und bedarf keines weiteren Belegs.

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier irgendein Weichei «Grundrechte!» schreien wird. Doch seien wir ehrlich: Können die Rechte ein paar Einzelner wirklich schwerer wiegen als das Interesse des ganzen Landes, ja der ganzen Welt? Ist es nicht gerade unsere Pflicht, hier mit aller Vehemenz entgegenzutreten, mit dem Finger auf jene nach Sushi stinkenden Übeltäter zu zeigen und ihnen ein empörtes «Bis hierhin und nicht weiter!» zuzurufen?

Finden Sie das etwa übertrieben? Finden Sie vielleicht, wer irgendeinen dieser Sätze unterschreiben kann, hat jegliches Mass verloren?

Etrit Hasler fischt nicht, und das, obwohl 
er wahnsinnig gerne Fisch isst. Wer das verwerflich findet, kann ihn mal so kreuzweise wie die Kantonspolizei Aargau.

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als Buch herausgegeben. Es ist unter 
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