Nr. 26/2015 vom 25.06.2015

Das Unternehmen Kunsthochschule

Von Stephanie Danner

Da braut sich etwas zusammen über den brandneuen Dachterrassen des Toni-Areals. Studierende und Mitarbeitende der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) waren perplex, als sie das Werbekonzept für die Diplomausstellung 2015 zu sehen bekamen, das bereits von der Hochschulkommunikation abgesegnet war: einen Pool aus Bildern und Phrasen, in verschiedenen Varianten kombinierbar. Da konnte ein Bild von einem Flüchtlingsboot mit dem Spruch «Auf nimmer wiedersehen» verknüpft oder das Bild einer «Stammes-Tänzerin» neben einer Abbildung hoch technisierter Militärmaschinen platziert werden. Ja, Kunsthochschule – alles möglich und so.

Siebzig Personen unterzeichneten in der Folge den Protestbrief gegen ein Werbekonzept, das «die rassistischen und sexistischen und stereotypisierenden Bildsprachen der europäischen/westlichen Pressefotografie» wiedergebe. Das Konzept, so die UnterzeichnerInnen, müsse überarbeitet, die Distribution des Einladungsflyers eingestellt und alle Bilder sexistischen, rassistischen und/oder militaristischen Inhalts entfernt werden. Damit, so die Hoffnung, würde eine öffentliche Diskussion über die Selbstdarstellung der Hochschule möglich. Doch das sollte ein frommer Wunsch bleiben: Zwar wurden einige Bilder aus dem Pool entfernt, doch der Einspruch wurde unter dem Vorwand abgetan, dass er vor allem einer fehlerhaften internen Kommunikation geschuldet sei und die Protestierenden zu wenig über Inhalt und Zweck des Konzepts wüssten.

In einem offenen Brief wurde die Hochschulleitung daraufhin um eine Stellungnahme gebeten. Dabei wurde Kritik am gesteigerten «Bemühen um Corporate Identity» der Hochschule laut, das dazu führe, dass verstärkt «autoritäre Strukturen» installiert würden. Wieder war es vor allem ein Aufruf um eine gelebte Auseinandersetzung um das Selbstverständnis der ZHdK. Doch bei der Hochschulverwaltung hüllt man sich weiter in Schweigen. Auf die angekündigte Stellungnahme warten StudentInnen und MitarbeiterInnen bis jetzt vergebens. Wie man das eben in einem Unternehmen, pardon, in einer Kunsthochschule so macht: aussitzen und hoffen, dass sich die Wolken verziehen.

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