Nr. 41/2015 vom 08.10.2015

Schweizer Konzern im Fokus der peruanischen Justiz

Von Cathrin Caprez

Die Goldraffinerie Metalor Technologies SA mit Sitz in Neuenburg wird beschuldigt, illegal abgebautes Gold aus Peru zu beziehen. Diesen Vorwurf erhebt die NGO Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in einem am Mittwoch publizierten Bericht. Im Fokus ihrer Recherchen stehen Goldlieferanten aus den Regionen Madre de Dios, Puno und Cusco im Südosten Perus. Das dort abgebaute Gold stamme fast vollumfänglich aus illegalen Minen. Tausende von KleinschürferInnen bauen das Edelmetall auf eigene Verantwortung ab, oft unter prekären Arbeitsbedingungen, und verkaufen es an Exportfirmen wie die peruanische Famyr Group.

Die Famyr Group soll gemäss dem Bericht der GfbV Gold im Wert von mehr als 180 Millionen US-Dollar an Metalor geliefert haben. Im vergangenen Jahr geriet die Famyr Group in den Fokus der Justiz, als die peruanischen Grenzbehörden eine Fracht von rund zehn Kilogramm mutmasslich illegalem Gold konfiszierten. Vorgesehener Empfänger war Metalor. Bislang hat Metalor stets abgestritten, Gold aus der Region Madre de Dios zu beziehen.

Die peruanische Staatsanwaltschaft will nun ein Rechtshilfegesuch an die Schweizer Behörden stellen. Damit will sie Klarheit über die Geschäftsbeziehungen von Metalor und ihren peruanischen Lieferfirmen schaffen. Laut Angaben der GfbV wird das Gesuch derzeit noch von den peruanischen Behörden vorbereitet.

Im September hatte die NGO Erklärung von Bern bereits ähnliche Vorwürfe an die grösste Schweizer Goldraffinerie gerichtet, die Valcambi SA. Gemäss der Erklärung von Bern werden in der Schweiz jedes Jahr etwa siebzig Prozent der weltweiten Goldproduktion raffiniert. 2013 entsprach dies einer Summe von 109 Milliarden Franken.

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