Nr. 07/2016 vom 18.02.2016

Wald und Garten

Susi Stühlinger über das verborgene Wachstum in der Angela M.

Von Susi Stühlinger

Turbulente Zeiten. Die Flüchtigenkrise rund um Justizvollzugsbeamtin Angela M., nicht zu verwechseln mit der Flüchtlingskrise um die deutsche Bundeskanzlerin, dauerte an. Zusammen mit dem Coiffeur Hassan K. brauste Angela M. in ihrem BMW X1 durch Italien, mutmasslich gar bis nach Griechenland – klassische Tourismusdestinationen, offenbar auch für Kriminelle, also Kriminaltouristen.

Angesichts des Gebarens der jungen Frau fragte sich Stiefvater Walter Minder gegenüber den Medien: «Warum haben wir nicht gespürt, was in ihr gewachsen ist?», eine Frage freilich, mit der sich so manch frisch pensioniertes Ehepaar konfrontiert sah, wenn ihm bewusst wurde, dass die unlängst neu gewonnene Freizeit durch das, was da in ihren Töchtern heranwuchs, ein jähes Ende finden würde. Die Ursache für das verborgene Wachstum in der Angela M. drin verortete Minder – auch dies durchaus üblich – bei deren Exmann V. Dessen Kultur- und Bildungsunterschied sei für eine Ehegemeinschaft einfach zu gross gewesen, so Walter Minder, nicht zu verwechseln mit Ständerat Thomas Minder, der sich mit Kulturunterschieden ebenfalls bestens auskannte.

So ein Kulturunterschied hatte üble Auswirkungen. Wer erst mal in den Bannkreis eines anderen Kulturkreises gelangt war, so wie es Angela M. zugestossen sein musste, kam da nicht wieder raus. Das Problem mit den anderen Kulturkreisen hatte Sicherheitsexperte Thomas Minder im «Club» des Schweizer Fernsehens messerscharf analysiert: «Der wo mit dem Sprengstoffgürtel ins Hallenstadion läuft, der IS-Ding, der macht mir nicht unbedingt Sorgen in dem Sinn, weil da, der erfasst mich sehr wahrscheinlich nicht; aber der Kriminaltourist, der wo mit dem Küchenmesser in meine Wohnung oder in meinen Garten reinläuft, vor dem habe ich Angst» – vor Kriminaltouristen also, wie Angela M. und Hassan K.

Natürlich gab es auch noch andere Faktoren zu berücksichtigen. Zum Beispiel jene tickende Zeitbombe, die jederzeit im Hallenstadion oder in Thomas Minders Garten hochgehen konnte: junge, gesunde Männer, die die ganze Zeit ohne geregelte Struktur herumsassen, wie Rudolf Strahm, Experte für das duale Bildungssystem, im «Blick» konstatierte, Männer, die sofort ins duale Bildungssystem integriert werden mussten, indem sie beispielsweise den Gemeinden halfen, den Wald zu putzen. Nach zwei Jahren, so Strahm, könnten diese Männer dann eine Weiterbildung machen, sogar eine Lehre – vielleicht als Coiffeur oder Gärtner.

Allerdings bewies gerade der allseits bekannte Musiker und Staatsrechtsprofessor Chris von Rohr im Experteninterview mit der «Solothurner Zeitung» zum Zustand des Rechtsstaats («Die im Getöse um die Durchsetzungsinitiative geschürte Angst, dass die Schweizer ihren Rechtsstaat beerdigen, halte ich für ähnlich weltfremd wie die Befürchtung, dass die Schweizer das Matterhorn oder den Gotthard an die Chinesen verkaufen/abschaffen»), dass man auch ohne Lehre durchaus etwas werden konnte, hatte von Rohr doch in jungen Jahren im Restaurant Kreuz gänzlich ohne Lehrstelle mit Küchenmessern hantiert.

Susi Stühlinger weiss, wo sich Thomas Minders Garten befindet.

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