Nr. 08/2016 vom 25.02.2016

Betruf für die Metropolen

Von Köbi Gantenbein

Der Mensch hört, was er weiss. Dem ganzen Tanz um die goldene Neuheit dreht jedes Musikstückli ja die lange Nase. Es steht immer in einer Geschichte. Wer also die CD «Eigernordklang» des Alpin Project mit gelehrtem Ohr hören will, der muss dahinter Mani Planzer hören, den vielseitigen Musiker, Komponisten, Musiklehrer und Bandleader aus der Innerschweiz. Sein MorschAchBlasorCHester spielte Ende der achtziger Jahre fulminante Blasmusik, die Jazz, Welt- und andere Musik und Musik, wie man sie vorzüglich in den Alpen kennt, zu einem musikalischen Ereignis machte.

Hans Kennel und Jürg Solothurnmann wiederum nahmen Planzers Klangreisen auf. Wer also wissen will, wie Jazz, Klassik und Ländler zueinanderfinden, soll schauen, wo er antiquarisch die Musik ihrer «Alpine Jazz Herd» findet, und nach Schallplatten vom MorschAchBlasorCHester fragen. Planzer und Kennel sind Pioniere der heiteren Verknüpfungen von Welt- mit Schweizer Klängen, sie haben aufgeführt, was gute Ländlermusik von schlechter immer schon unterschieden hat: Die eine begrüsst das Fremde, Neue und Unerwartete, wenn es aufs Eigene trifft, die andere sperrt es aus und nudelt stattdessen das gut Bekannte bis zum Gehtnichtmehr herunter. Oft virtuos, oft leer.

Schön an der Musik ist natürlich auch, wie sie ohne Bildungshuberei unmittelbar an die Seele greifen kann. Das gelingt auch «Eigernordklang». Das Quintett aus Barbara Berger (Stimme), Singoh Nketia (Beats & Sounds), Christoph Pfändler (Hackbrett), Thomas Aeschbacher (Örgeli) und Balthasar Streiff (Blasinstrumente) rüstet das Jazz-Pop-Ländlerprogramm zügig auf. Juuz, Betruf, Büchel und Kuhreihen werden in sieben Stückli, von denen die CD grad auch radiogerechte Kurzversionen bietet, zerlegt und montiert. Vorab Barbara Bergers im Studio metropolengerecht hergerichteter Betruf ist eine Wucht. Und schön ist die Zeitreise: Seit Mani Planzers Tod vor zwanzig Jahren ist die Sound- und Mixtechnik gewaltig entwickelt worden – wummernder Bass, zitterndes Hackbrett, jubilierendes Örgeli und virtuos geblasener Büchel im meditativen Loop.

www.alpinproject.ch

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