Nr. 09/2016 vom 03.03.2016

Zurück in den Fussball

Susi Stühlinger über das alles entscheidende Wahlwochenende

Von Susi Stühlinger

Es war ein Wochenende der wegweisenden Entscheidungen. Ein Wochenende der Freudentränen. Ein Wochenende der ganz, ganz grossen Emotionen. Endlich war der Gerechtigkeit Genüge getan worden: Endlich hatte Leonardo DiCaprio den verdienten Oscar erhalten. Und endlich war der Wahrhaftigkeit zum Durchbruch verholfen worden: Endlich war der Fussball zurück bei der Fifa und die Fifa zurück im Fussball, wie es Giovanni Vincenzo Infantino, der daselbst den Fussball zurück zur Fifa beziehungsweise die Fifa zurück in den Fussball gebracht hatte, elegant zu formulieren wusste.

Der neue Fifa-Präsident hatte den Fussball dorthin gebracht, wo der Fussball hergekommen war und wo der Fussball hingehörte: vom Hallenstadion in der Üsserschweiz zurück ins schöne Oberwallis, nach Brig, nicht weit weg von Altpräsident Sepp Blatters Heimat Visp – ein kurzer Pass für einen Fussball, doch ein steiler Pass für den Fussball als solchen, wie ein Bonmot besagte, das derzeit im Verband die Runde machte.

Freude herrschte oder, wie man es mit den Worten des neuen Sportministers oder auch im benachbarten Unterwallis formulierte: «Le plaisir domine» ob eines so geeigneten Nachfolgers für den armen Joseph, der gemäss eigener Aussage vom lieben Gott verlassen worden war und dessen grosser Traum, dass man ihm auf einem Kongress Auf Wiedersehen sagen würde, ebenso wenig in Erfüllung gegangen war, wie dass er das Schauspiel seiner Reinkarnation live im Hallenstadion hätte miterleben dürfen.

Immerhin hatte er dem Jungspund via Medien noch ein paar weise Worte mit auf den Weg geben können: «Während dich jeder unterstützt und dir schöne Worte sagt, musst du wissen, dass Freunde selten sind, wenn man auf dem Stuhl des Präsidenten sitzt», eine Erfahrung, die Joseph in seiner sechzehnjährigen Amtszeit immer wieder hatte machen müssen, was ja dann auch dazu geführt hatte, dass man die seltenen Freundschaften halt hatte erhalten müssen, und weil Freundschaften eben ein Geben und ein Nehmen waren, hatte dann ja das US-Justizministerium irgendetwas missverstanden, und drum hatte ja überhaupt ein Ersatz seiner selbst hermüssen und so weiter.

Es zeichnete Infantino jedenfalls aus, dass er bereits schon früh die Fähigkeit erlernt hatte zu nehmen, schon als junger Infant hatte Infantino erste Erfahrungen mit Spenden gemacht, wie er selbst im «Blick» enthüllte, hatte er sich seltenes Blut von einer Spenderin aus dem Balkan spenden lassen, die er immer gerne ausfindig gemacht hätte, aber er wusste nicht, wo, obwohl der Name der Frau in jener «Blick»-Ausgabe anno 1970 gestanden hatte, die von der spektakulären Rettung des Infanten Infantino berichtete und von der er dem «Blick» bereits stolz berichtet hatte, bevor das mit der ganzen Spenderei publik gemacht wurde, das war natürlich nicht ganz logisch, aber trotzdem mit Sicherheit nicht gelogen, und bei so komplexen Vorgängen den Überblick zu behalten, war ja schliesslich auch eine Fähigkeit, die so einem Fifa-Präsidenten gut anstand.

Susi Stühlinger sammelt derzeit auch Spenden, für eine Freundin.

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