Nr. 17/2016 vom 28.04.2016

Du wirst nicht glauben, wie krank Dich Facebook macht!

Von Franziska Meister

Digitale PessimistInnen wie der Hirnforscher Manfred Spitzer warnen seit Jahren: Computer, Internet und Co. machen dumm. Seit neustem wissen wir: Facebook, Twitter und Konsorten machen auch krank. «Technostress» lautet die Diagnose. Betroffene leiden nicht nur an Konzentrationsstörungen oder Übermüdung, sondern auch an Bluthochdruck und Magengeschwüren oder kriegen gar einen Herzinfarkt. Die Diagnose stammt von einem aufstrebenden jungen Wirtschaftsinformatiker der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, der das Phänomen untersucht hat. Seine Erkenntnisse gelten als so bahnbrechend, dass er den renommierten und mit 10 000 Euro dotierten Schmalenbach-Preis erhalten hat. Oder wären Sie draufgekommen, dass «das Unverständnis bei der Bedienung von neuer IT Stress verursachen kann» und dass Menschen «mit einem IT-fernen Bildungshintergrund besonders stark betroffen sind»?

Doch das sind Nebenschauplätze der Untersuchung. Im Zentrum steht Facebook – respektive die Frage, was passiert, wenn man keinen Zugang mehr dazu hat. 130 Personen hat der Wirtschaftsinformatiker für zwei Wochen von Facebook abgenabelt, sie in Fragebögen ihre Befindlichkeit kundtun lassen und körperliche Reaktionen auf den Entzug, wie etwa starkes Schwitzen, erfasst. Technostress, so die erste Erkenntnis, «resultiert nicht zwangsläufig aus der Technologie, die man nutzt, sondern aus der Informationsflut, die man nicht mehr richtig verarbeiten kann». Wie jene Studentin, die vierzehn Stunden täglich auf Facebook verbrachte und mit ihrer Masterarbeit nicht vorankam – bis zur erzwungenen Abstinenzphase. Dass Technostress auch eine Entzugserscheinung sein kann, hat den Wirtschaftsinformatiker besonders überrascht – vor allem in Bezug darauf, wie manche Studienteilnehmer diesen kompensierten: «Sie begannen, sich wieder mit ihren Familienmitgliedern zu unterhalten.»

Sie finden diese Studienresultate banal? Lassen Sie sich sagen: Die Wirtschaft findet das ganz und gar nicht. Mit dem Preis an den Jungforscher wollte sie nämlich auch ihrer Besorgnis darüber Ausdruck geben, dass Technostress «zu einem handfesten betriebswirtschaftlichen Problem» wird, weil er «die Kosten erhöht und die Erlöse reduziert». Und der Jungforscher selbst? Er werkelt bereits an der Entwicklung eines Algorithmus, der anhand von Facebook- und Twitter-Posts erkennen soll, wie stark jemand gestresst ist. Wir warten gespannt auf das Resultat. Vielleicht eine App, die je nach Stresslevel zunehmend vibriert, bis hin zum Elektroschock?

Gute Ratschläge, wie man Technostress vermeidet, hält Wikipedia unter diesem Schlagwort bereit.

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