Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Strafuntersuchung gegen Berner Polizei eröffnet

Von Carlos Hanimann

Die WOZ-Recherchen zeigen Wirkung: Der Basler Staatsanwalt Alberto Fabbri hat eine Strafuntersuchung gegen Angehörige der Berner Spezialeinheit «Enzian» eröffnet, wie die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» am Freitag berichtete. Vergangenen Herbst hatte die WOZ in mehreren Artikeln über «amtlich bewilligten Polizeiterror» in Bern geschrieben. Über ein Dutzend junge Männer und Frauen erhoben in der WOZ schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Demnach hatten Elitepolizisten der Berner Kantonspolizei im Frühling und im Sommer 2015 wiederholt zwischengenutzte Häuser in Ostermundigen und Bern gestürmt. Die martialisch auftretende Spezialeinheit «Enzian» trat dabei laut Zeugen vermummt und mit Maschinenpistolen bewaffnet die Türen ein, fesselte mehrere Personen und verband ihnen die Augen, während sie die Räumlichkeiten durchsuchte. Sie liess nicht nur verstörte Menschen zurück, sondern auch beträchtlichen Sachschaden. Die Betroffenen waren keiner Straftat beschuldigt. Die Polizei verteidigte das Vorgehen, man habe nach einer Zielperson gesucht.

Das Vorgehen der Sondereinheit hatte ein politisches Nachspiel – und bald einmal auch ein juristisches: Fünf Personen reichten Strafanzeige ein und verlangten, dass ein ausserkantonaler Staatsanwalt eingesetzt wird, um die Vorwürfe zu untersuchen.

Allzu oft versanden Strafanzeigen gegen PolizistInnen. Nicht so in diesem Fall: Verdacht auf Amtsmissbrauch, Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, Hausfriedensbruch, Nötigung, Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung – so lauten nun die Vorwürfe der Strafuntersuchung des Basler Staatsanwalts Fabbri gegen die Berner Polizisten. Gegenüber dem «Bund» liess die Berner Polizei verlauten, dass «die Eröffnung eines Strafverfahrens zur Abklärung der erhobenen Vorwürfe in einem solch komplexen Fall nicht aussergewöhnlich» scheine.

Für die Berner Polizisten gilt die Unschuldsvermutung.

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