Nr. 23/2016 vom 09.06.2016

Neues für den Demowagen

Von Timo Posselt

Als Popsoundtrack für linke Demos eignen sich nur eine Handvoll Songs. «Killing in the Name» von Rage Against the Machine ist ein solcher und inzwischen so unverzichtbar wie der Böögg beim Zürcher Sechseläuten. Antreibersongs aus dem Demowagen müssen die nötige Empörung und Wut bündeln und dennoch so eingängig sein, dass sie sowohl Zusammengehörigkeit als auch Widerstand ausdrücken.

Die kanadische Band Suuns legt nun einen neuen Popschlachtgesang vor: «Resistance» heisst er. Ein zirpender Elektrobeat, der sich dann bedrohlich aufbäumt, dazu gibt Sänger Ben Shemie die Parole durch: «Resist!» Es folgt ein Refrain mit einem phänomenalen Gitarrenriff, dessen Hall und Psychedelik auch von den ersten Platten von Black Rebel Motorcycle Club stammen könnten.

Der Song bringt die musikalische Entwicklung des Quartetts aus Montreal gut zum Ausdruck. Während sie auf ihren ersten zwei Alben noch mehr auf den Klang der Gitarre setzten, wenden sie sich auf «Hold / Still» stärker der Elektronik zu. «Während wir früher versuchten, die Kanten zu schleifen, gehen wir nun aufs Ganze», sagt Sänger Shemie dazu.

Diese neue Kompromisslosigkeit hört man dem neuen Album an, das erneut auf dem stilprägenden Indielabel Secretly Canadian erschienen ist. Zum Beispiel in «Brainwash»: Der Song beginnt mit raumgreifendem Hall, doch dann prügelt ein faustdicker Synthiebass mitten in die illusorische Sicherheit hinein. Suuns reizen hier die Extreme aus: Untanzbare Angstkulissen («Paralyzer») wechseln sich ab mit beeindruckenden Ohrwürmern («Nobody Can Save Me Now»).

Am beeindruckendsten waren Suuns bisher stets an ihren Konzerten, zuletzt in den Kollaborationen mit dem libanesisch-kanadischen Musiker Jerusalem in My Heart. Bei «Hold /Still» beschleicht einem beim Hören bereits die Vorahnung: Die volle Dringlichkeit wird dieses Album wohl erst live auf der Bühne entfalten. Oder hoffentlich schon vorher, auf der nächsten linken Demo: «Resist!»

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