Nr. 41/2016 vom 13.10.2016

Leer gesaugte Sonne

Ruedi Widmer versetzt sich in Andersdenkende

Von Ruedi Widmer

Die Zeitungslandschaft Schweiz ist im Umbruch: Erfolgsblätter wie die «Weltwoche», die NZZ oder die «Basler Zeitung» beglücken die Investoren, die Leute reissen sich jeweils um die letzten Exemplare an den Kiosken. Alternatives Wissen ist gefragt beim Publikum. Die Journalisten der alten kritischen Schule weichen in den Untergrund aus.

Ich möchte in diesem sehr links gewordenen Blatt wieder ein wenig den journalistisch höchst notwendigen Ausgleich herbeiführen, damit es die vielen verlorenen Leser wieder zurückgewinnt. Es gibt nämlich, was sich die Leserin und der Leser dieser Zeitung vielleicht gar nicht vorstellen können, nicht wenige Leute in der Schweiz, die noch Gewehr bei Fuss zur Kernenergie stehen. Die Kernenergie hat viele Vorteile. Neben dem Kühlturm, der das zu warme Klima etwas herunterkühlt, ist der grösste Vorteil, dass mit Atomkraft weniger CO2 in die Luft gelangt. Die Kernenergie, besonders die mit einheimischen und (wichtig) schweizerdeutsch sprechenden Atomen, ist absolut sicher und konkurrenzlos günstig und in Zeiten des Klimawandels unumgänglich.

Deshalb steht die Energiestrategie 2050 des Bundes so quer in der Landschaft. Warum sollten wir das Erfolgsmodell Schweiz aufgeben, nur um den paar versprengten Linken zu gefallen? Warum sollten wir Angst vor einem Atomunfall haben, wenn wir nur einheimische Qualitätsatome spalten? Frau Merkel, die Vorgängerin von Bundeskanzlerin Petry, setzt voll auf Wind- und Sonnenenergie. Diese Energie aber ist höchst schädlich, denn mehr Sonnenschein verursacht automatisch mehr Erderwärmung. Die Sonne kommt kaum mehr nach mit dem Liefern von Sonnenenergie, wenn wir so viele Solarzellen installieren wie geplant. Es wird dunkel werden im Land, nicht nur in der Nacht (kein Strom für Licht), sondern auch am Tag. Denn in nur vier Jahren ist die gesamte Lichtmenge, die die Sonne noch abzugeben vermag, aufgebraucht. Die Sonne wird richtiggehend leer gesaugt von den Menschen mit ihren Solarzellen. Lesen Sie diese Sätze ruhig gleich nochmals. In vier Jahren. Leer gesaugt.

Doch jetzt muss ich aufpassen, dass ich keinen Unsinn schreibe. Es gibt den Klimawandel eigentlich gar nicht. Er ist eine Lüge der Elite, um gegen Autos, Bürger oder Erdöl zu sein. Es gibt ihn nur, wenn man Werbung für die billige, umweltfreundliche und sichere Atomenergie machen will. Aber das nur unter uns. Genauso wie die Wissenschaft subjektiv ist, ausser die Kernphysik und die Finanzwissenschaften. Usw., usf.

Es macht Spass, rechts zu schreiben. Ich verstehe jeden Journalisten, der bei der «Weltwoche» oder der neuen Porsche-Werkszeitung NZZ anheuert.

Kürzlich sprach ich mit einer Strassenbekanntschaft aus der Nachbarschaft, wir gelangten in den Themenkomplex «Weltuntergang/Schlimmschlimm». Irgendwie waren bei ihm («Es liegt nur an der Überbevölkerung») an allem zuerst die Frauen schuld, später die Ausländer. Auf mein Argument, die Ausländer hätten in der Schweiz die ganzen Annehmlichkeiten und Infrastrukturen wie Autobahnen, Atomkraftwerke, Spitäler, Bahntunnels doch erst aufgebaut, antwortete der ältere Herr mit einem hochinteressanten Argument, das ich bis jetzt noch nicht mal bei den rechtesten der Rechten gehört habe: Die Ausländer hätten uns damit zu diesem schädlichen Wohlstand verführt. Ausschlag zehn auf der fremden Richterskala.

Ich halte diesen Senioren nicht für repräsentativ. Aber es ist schon eine Zeiterscheinung, dass sich Menschen, die sich bis jetzt nicht für politisch interessiert gehalten haben, knallhart in die Debatten einsteigen. Das irgendwann vorgebrachte Argument «Ich weiss es ja nicht so genau» wird als Qualitätsmerkmal für die eigene «unideologische» Sicht verstanden.

Geniessen wir noch diesen letzten Monat ohne Präsident Trump. Dann ist alternatives Wissen offizielles Wissen. Mainstream.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.

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