Nr. 16/2017 vom 20.04.2017

Mütter aller Dinge

Ruedi Widmer entschlüsselt die wichtigsten Meldungen der Woche

Von Ruedi Widmer

Das österliche Türkeiertütschen vom 16. April endete mit dem Sieg von Präsident Erdogan. Der fröhliche Istanbuler mit dem offenen Ohr für die Sorgen der Bevölkerung (Todesstrafe) gilt nun als Alleinherrscher. Atatürk wurde an den Mond genagelt.

Die nominierten «Schweizer des Jahres 2017» der «Weltwoche» in alphabetischer Reihenfolge: Jürg Jegge.

US-Präsident Trump sollte Nordkorea in die Nato einbinden und Kim Jong Un mit westlichen Waffen beliefern. Damit kann er Geld verdienen, die USA schützen, Südkorea und Japan entlasten und den Druck auf China weiter erhöhen. Die Workers in Midwest übernähmen mit Handkuss die geschützte Arbeitsmarktpolitik Pjöngjangs. Mit Erdogan hätte Kim auch gleich einen ebenbürtigen Freund im Verteidigungsbündnis und könnte mit ihm und dem Weissen Haus zusammen an der besten, grössten und höchsten Todesstrafe feilen.

Die Wemf-beglaubigte Reichweite der «Basler Zeitung» bis knapp ins Alters- und Pflegeheim Gundeldingen zeigte sich letzten Samstag exemplarisch an den Leserantworten auf Markus Somms nicht gerade ersten Leitartikel über die «intoleranten Linken». Die Kommentierenden empörten sich über den Zürcher «Globuskrawall» (1968) und können sich offenbar noch lebhaft erinnern.

Die Medien nennen die 86-jährige Friedensaktivistin Louise Schneider, die die Bauwand vor der Nationalbank mit dem Satz «Geld für Waffen tötet» beschriftete, durchweg «Sprayer-Grosi». Keine Zeitung der Schweiz würde Friedensforscher Herrn Dr. Daniele Ganser «Elfter-September-Jüngling» nennen.

Die US-amerikanische «Mutter aller Bomben» zerfetzte 92 IS-Kämpfer in Afghanistan. Eigentlich müsste man das gut finden, aber der Beziehungsstatus von Mutter Erde änderte sich letzte Woche von «es ist kompliziert» zu «es ist noch komplizierter», und so kann man Trump nicht gut finden, den IS nicht, Putin nicht, Erdogan nicht und Assad auch nicht. Die einzige Lösung ist: noch mehr Bundeswehr nach Afghanistan, die netteste und gemütlichste Armee der Welt, unter baldiger Führung Ihres persönlichen Kanzlers aus Ihrem Nachbarort (Würselen), Dr. Martin Schulz.

So aktuell wie der «Globuskrawall» wirkt die Zeitung, die mir die Schweizerische Volkspartei, Chris von Rohr oder Markus Somm letzte Woche in den Briefkasten warf, mit der die Bundesratsvorlage Energiestrategie 2050 gebodigt werden soll. Immerhin hat doch eine gleich aussehende Zeitung aus derselben Küche vor wenigen Monaten zur Ablehnung der Bundesratsvorlage USR III geführt.

Tennis-Ass Roger Federer beeindruckt durch sein wuchtiges Comeback selbst tenniscourtferne Personen. Er gilt nun schon als erster Mensch der Geschichte, der alles erreicht hat.

Die «Mutter aller Kanzler» muss sich nicht bedroht fühlen, hat doch ihre Herausfordererin, AfD-«Mutter aller Mütter» Frauke Petry, auf Facebook einen offenen Streit mit vielen Parteifreunden, der auch parteifremde Mitleser wie mich begeistert.

Die «Mutter aller Tanten», die NZZ, hat ein Klima geschaffen, in dem andere Meinungen redaktionsintern unterdrückt werden. Damit bereitet sich Chefredaktor Eric Guyer auf die Verfassungsreform vor, die ihn zum alleinigen Chefredaktor der NZZ ernennen soll. Das Volk stimmt darüber am 16. Mai ab.

Die Antirassismusstrafnorm hat für einmal etwas gebracht, hat doch das Bundesgericht die Schöpfer der «Kosovaren schlitzen Schweizer auf»-Plakate der SVP wegen Rassendiskriminierung verurteilt.

Kein Wunder, verteidigt die Zeitschrift «Die Weltwoche» Jürg Jegge. Man darf eben nicht alle Sexualstraftäter in denselben Topf werfen. Schliesslich ist dieser Topf schon voll mit Kosovaren.

Beobachter rechnen noch diesen April mit einem ersten unterirdischen Atomtest der NZZ im Raum Falkenstrasse.

Ruedi Widmer ist Cartoonist in Winterthur.

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