Nr. 42/2016 vom 20.10.2016

Save the Whales – from Sports

Etrit Hasler findet Sport mit Tieren ziemlich pervers

Von Etrit Hasler

Tiere sind super. Sie senken unseren Blutdruck, halten zu einem, egal wie man drauf ist, und kein Tier wird jemals Donald Trump oder Andrea Geissbühler wählen. Ihr vielleicht wichtigstes Verdienst: Sie machen auch das Internet erträglich. Oder stellen Sie sich vor, wie wir diese unsägliche Ansammlung von Porno, Hasskommentaren und Verschwörungstheorien aushalten könnten, wenn es dazwischen nicht ab und zu ein Katzenvideo zu sehen gäbe. Oder eins mit Eulen. Weil diese noch viel süsser sind. Jöööh.

Bei all der Tierliebe würde man denken, dass sich auch die Welt des Sports den unvergleichlichen «animal magnetism» zunutze macht – und zu einem sehr beschränkten Grad stimmt das auch. Ein Team nach Tieren zu benennen, ist eine altbewährte US-Strategie, die auch schon in der Schweiz angekommen ist. Wobei das zu merkwürdiger Komik führt, wenn zum Beispiel die Chicago Bears «einfach nicht aus dem Winterschlaf erwachen» oder die Pittsburgh Penguins ihre Flügel ausbreiten.

Darüber hinaus scheint die Liebe zum Tier im Sport eher klein zu sein. An den Olympischen Spielen sind nur die Pferdesportarten dabei – und die mögen für gewisse Menschen ästhetisch anzusehen sein, beim Begriff «Tierliebe» in diesem Zusammenhang drängen sich freudsche Interpretationen auf. Nichts gegen Peitschen und Unterwürfigkeit, aber ich zweifle, ob die olympischen ReiterInnen mit ihren Zuchtpferden ein Safeword ausmachen.

Andere Tiersportarten würden sich noch weniger anbieten, ins olympische Programm aufgenommen zu werden, weil sie von einer Grausamkeit oder zumindest einem mangelnden Respekt gegenüber tierischem Leben zeugen. Und weil sie fast immer auf das Vorzeigen der menschlichen Fähigkeit reduziert sind, sich alles untertan zu machen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist (wobei der Baum ohnehin gleich gefällt wird), oder aber noch schlimmer: auf einen blutigen Überlebenskampf.

Die einfachsten Beispiele dafür sind die diversen Tierkämpfe, etwa zwischen Hunden, Hähnen oder Orang-Utans – auch die Schweiz kennt eine solche Variante, die sogenannten Ringkuhkämpfe im Wallis, bei denen am alljährlichen «Stechfest» die «Königin der Königinnen» ausgemacht wird, die danach den Alpaufzug anführen darf. Auch wenn die OrganisatorInnen betonen, dass sich die Kühe dabei sehr selten verletzen, bleibt der Reiz der eines Gladiatorenkampfs der Todgeweihten, insbesondere wenn bei der Livereportage des Schweizer Fernsehens dazwischen Werbung fürs Grillieren geschaltet wird. Tsch-Tsch.

Natürlich tritt dieser voyeuristische Reiz nirgends so klar hervor wie beim iberischen Stierkampf. Dieser endet zwangsläufig mit dem Tod des Bullen, der natürlich sogar (oder ganz speziell) dann geschlachtet wird, wenn er den endlosen, unfairen Todeskampf gegen den Matador gewinnt. Wobei Stierkampffans gerne erwähnen, dass es kein «ökologischeres Fleisch auf der Welt» gebe als das von Kampfstieren. Das mag vielleicht sogar stimmen, was uns aber eher zu denken geben sollte, sind die unhaltbaren Umstände, unter denen Rindfleisch sonst so auf den Teller kommt.

Ein bisschen grösser ist die Überlebenschance bei der vielleicht bizarrsten Tiersportart überhaupt, dem sogenannten Ferret-Legging, einer Sportart, die der Legende nach als Mutprobe zwischen Kohlemineuren entstanden ist. Dabei wird ein lebendes Frettchen (wichtig: mit intaktem Gebiss) in die oben und unten zugebundene Hose des Wettstreiters eingeführt – Gewinner ist, wer das Beissen und Kratzen des verstörten Tieres am längsten aushält.

Wenn Sie jetzt denken, so eine Grausamkeit hätte zumindest bei Olympia nichts verloren, erinnere ich Sie gerne daran, dass im Jahr 1900 Taubenschiessen noch olympisch war – der Wettbewerb bestand darin, so viele Tauben wie möglich innerhalb einer begrenzten Zeit abzuschiessen, und wurde von Zeitgenossen als «sehr aristokratisch» beschrieben.

Etrit Hasler mag Eulenvideos. Googeln Sie «Three Owls».

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