Nr. 45/2016 vom 10.11.2016

Berner Stimmen teilen

Von Carlos Hanimann

Tout Berne strömt Ende November an die Wahlurnen, um eine neues Parlament, eine neue Regierung und eine neue Stadtpräsidentin zu wählen. Wobei: Am Ende werden bei weitem nicht alle ihre Stimme abgeben. Nicht nur weil sie verschlafen haben, noch betrunken sind oder weil es Ende November einfach zu kalt und nass ist, um am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe zum Stimmlokal zu spazieren, sondern weil in Bern – wie in der ganzen Restschweiz – ein Viertel der Bevölkerung von der Wahl ausgeschlossen ist. 25 Prozent der Bernerinnen und Berner ist es untersagt, am demokratischen Prozess teilzuhaben und mitzubestimmen, wer in den nächsten vier Jahren was wann wie wo und überhaupt …

Wer spricht? Wer darf sprechen? Darum geht es am kommenden Samstag, wenn im Berner Progr ein «Wahlbüro für alle!» öffnet. Statt die «Demokratie mit beschränkter Haftung» zu zelebrieren, soll hier ziviler Ungehorsam die Ausgeschlossenen einschliessen: Wahl- und Stimmzettel können abgegeben und ausgetauscht werden, jene Personen, denen der Zugang zur institutionellen Demokratie, zur alltäglichen Mitgestaltung sonst verwehrt ist, entscheiden mit. Neben dem Tauschen von Wahlzetteln sollen Diskussionen stattfinden und eigene Wahlzettel und politische Forderungen erarbeitet werden.

Es ist eine kulturpolitische Intervention, eine Ausländerlandsgemeinde, eine kanakische Vernehmlassung, zu der das Netzwerk «Wir alle sind Bern» und das Kollektiv «Berner Rassismusstammtisch» nächsten Samstag einladen und mit dem ein notorisches Demokratiedefizit ein wenig aufgehoben werden soll.

Mitnehmen, so schreiben die VeranstalterInnen, soll man zweierlei: Stimmmaterial zum Teilen und ausgeschlossenes Volk.

Seine Stimme teilen kann man auf www.facebook.com/stimmenteilen.

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