Nr. 21/2017 vom 25.05.2017

Ein Stock im Rad

Von David Hunziker

Sie trägt dick auf, diese Agitpropverpackung: «Just Say No to the Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine» – Schwarz auf Rot, so brachial wie elegant. Ausserdem weist das Cover darauf hin, dass die Band Gnod das «No» bereits in ihrem Namen trägt und dass ein Hakenkreuz und ein stilisiertes Dollarzeichen recht ähnlich aussehen können. Zunächst sieht dieses zeitlos-ikonische Parolenmonster nach der perfekten Einheit sämtlicher politischen Verheerungen aus – doch bei näherem Hinsehen spitzt sich der Albumtitel auf den Kampf ums nackte Überleben zu. Das ist keine Analyse, sondern ein kondensiertes Bekenntnis.

Die Gradlinigkeit dieses politischen Bekenntnisses hat auf Gnod auch musikalisch abgefärbt. Das fast zwei Stunden lange, chaotisch-psychedelische Vorgängerwerk «Infinity Machines» (2015) war noch so undefiniert wie der Rorschachtest auf seinem Cover. Oder wie Gnod selber – ein Projekt mit rotierenden Mitgliedern (bei Jamsessions auch mal spontan aus dem Publikum) und unzähligen assoziierten Bands und Labels. Und stilistisch sind Gnod sowieso querbeet: Psy-Jazz, Space-Rock, Prog-Drone oder Noise-Kraut – passt alles irgendwo.

Zwar sorgen lärmende Riffs und düstere Elektronik auch auf «Just Say No …» für reichlich Chaos. Doch durch das ganze Album ziehen sich diese tanzbaren und durch einen Song hindurch nur minimal variierten Beats. Die abschweifenden Impros sind einem fokussierten Drang nach vorne gewichen. Gnod werden darum jetzt auch mit den Apokalypserockern Swans verglichen, doch der Kampf der BritInnen mit der Todesmaschine ist frei von Esoterik und immer wieder bestechend lässig.

In «Stick in the Wheel», dem abschliessenden Höhepunkt des Albums, wird jene Spannung zwischen Chaos und Ordnung auf eine klassisch anarchistische Parole gebracht: «Ich will ein Stock im Rad sein, kein Rädchen im Getriebe.» Ob der Stock im Rad nun der Echolot-Drone im Hintergrund ist, das zerhackte Geschrammel der Gitarren oder Paddy Shines punkiger Halbsprechgesang – das Schlagzeug läuft wie eine gut geölte Maschine.

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