Nr. 36/2017 vom 07.09.2017

Schlafen Sie wohl!

Von Franziska Meister

Schlafen Sie gut? Nein? Und machen Sie sich deswegen Sorgen? Die tröstliche Antwort der Wissenschaft lautet: Sie sind nicht allein. In der Schweiz leidet jede vierte Frau und jeder fünfte Mann unter Schlafmangel und Schlafproblemen. Die weniger tröstliche Antwort der Wissenschaft: Damit gefährden Sie sich selbst und unter Umständen sogar Ihre Kinder!

Schlaf- und NeuroökonomieforscherInnen der Uni Zürich (Sie merken: Der Wirtschaft war es schon immer ein Dorn im Auge, dass Ihr Schlafmangel zu Leistungseinbussen führt) liessen vierzehn Studenten, alles Männer, während einer Woche nur fünf statt der als ideal geltenden neun Stunden pro Nacht schlafen. Was zur Folge hatte, dass sie sich tagsüber risikoreicher verhielten – und schlimmer noch: Ihr Verhalten war ihnen nicht einmal bewusst.

Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, selbst wenn man ihre Risikobereitschaft nur im Umgang mit Geld getestet hat und eine Untersuchung an einem guten Dutzend Probanden kaum als repräsentativ gelten kann. Denn auch die Uni Basel hat in einer Studie, in der sie die Schlafqualität von 200 Kindern mittels EEG gemessen hat, einen beunruhigenden Zusammenhang zutage gefördert: Schläft die Mutter schlecht, tut dies auch das Kind. Die Begründungsversuche muten eher abenteuerlich an. Möglicherweise färbe das Schlafverhalten der Mutter auf das Kind ab; oder die Eltern beeinträchtigten den Schlaf, weil sie diesem zu viel Aufmerksamkeit widmeten; vielleicht seien aber auch einfach die Gene schuld.

Unter diesen Umständen ist es doch beruhigend, dass die Basler ForscherInnen keine Hinweise gefunden haben, dass sich die Schlafprobleme der Väter auf ihre Kinder übertragen würden. Denn Männer wissen ja – das zeigt die Zürcher Studie – nicht mehr, was sie tun, wenn sie über längere Zeit hinweg zu wenig geschlafen haben …

Kritische Geister sagen natürlich zu Recht: The absence of evidence is no evidence for absence – bloss weil man keine Beweise findet, bedeutet das nicht, dass keine existieren.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 88-385775-2
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH 75 0900 0000 8838 5775 2
Verwendungszweck Spende woz.ch