Nr. 03/2018 vom 18.01.2018

Die neue Bar am Dorfplatz

Von Kaspar Surber

Oft fragen uns LeserInnen, was wir bei der WOZ vom neuen Onlinemagazin «Republik» halten würden. Ehrlich gesagt fühlen wir uns ein bisschen wie eine alteingesessene Bar am Dorfplatz. Sicher, es gibt in unserer Bar einige verstaubte Ecken, die man wieder einmal putzen sollte, aber ihre Geschichte voller Widersprüche, Irrtümer und letzten Wahrheiten macht auch den Charme aus. Ein paar alte Rezepte haben wir aufgegeben, ein paar neue erfunden. Unser gelbes Schild leuchtet, neue Gäste kommen zahlreich.

Aber jetzt hat eben diese Bar nebenan eröffnet. Die BetreiberInnen machten ein grosses Tamtam, bis sie loslegten, veröffentlichten Baupläne und Absichtserklärungen. Ein bisschen Pathos darf schon sein, mögen wir als Linke doch das Manifest und die Ausrufung. Was wir aber umso weniger verstanden: warum die Neuen tunlichst verneinten, links zu sein. Diese reflexhafte Abgrenzung erzählt doch alles zur Frage, warum dieses Land seit mehr als 150 Jahren stockbürgerlich regiert wird.

Wir sind bei der Eröffnung dann doch gleich hinüber und haben uns die Räume angesehen. Sie sind elegant gestaltet. Wegen der digitalen Bauweise sind sie aber auch sehr gross und müssen mit sehr langen Ansprachen gefüllt werden. Die Bilder an den Wänden finden wir bisher etwas uninspiriert, doch statt über Kultur reden die BetreiberInnen sowieso am liebsten über das Internet.

Doch sind das letztlich Geschmacksfragen. Das Geschäftsmodell der neuen Bar überzeugt uns nämlich sehr: Die Gäste müssen bezahlen. Auch freut uns, dass sie reinen Sprit ausschenkt. Bekanntlich verkauft und verschenkt das Monopol des grossen T, das fast alle Bars im Dorf aufgekauft hat, längst auch andere Waren. Von politisch finanzierten Übernahmen einiger Spelunken ganz zu schweigen.

In diesem Sinn, liebe NachbarInnen der «Republik»: Wir freuen uns ausserordentlich, dass ihr eingezogen seid! Schliesslich muss das Unglück zurückgeschlagen werden. Vielleicht nehmen wir zusammen den Dorfplatz mit einem Fest ein. Herzlich viel Erfolg!

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