Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Mit Vibranium die Welt retten

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Der Publizist Ta-Nehisi Coates («Zwischen mir und der Welt») widmet der Figur «Black Panther» aus dem Universum der Marvel-Superhelden seit 2016 eine eigene Comicserie. Umso grösser waren die Erwartungen an den ersten Film, der sich ganz der Welt des schwarzen Superhelden aus dem utopischen afrikanischen Land Wakanda verschreibt. Würde es dem Regisseur Ryan Coogler gelingen, nicht nur Comic- und Fantasyfans, sondern auch ein breites schwarzes Publikum zu inspirieren? Nachdem er Südafrika bereist hatte, um herauszufinden, wie der Kontinent riecht, schmeckt und sich anhört – damit die Geschichte sich «echt anfühlt»?

Nun, die BewohnerInnen von Wakanda sprechen Xhosa, eine der offiziellen Landessprachen Südafrikas, sowie, in der Originalfassung, Englisch mit expressiv «afrikanischem» Akzent. Über Letzteres kann man geteilter Meinung sein. Spannend hingegen ist, wie Coogler, der auch das Drehbuch mit verfasst hat, seine schwarzen Helden aus der Utopie eines afrikanischen Landes gestaltet, das nie kolonialisiert worden ist. Natürlich sind sie als Comicfiguren überzeichnet – hier der gute König T’Challa alias Black Panther, da der böse Erik Killmonger aus dem kalifornischen Oakland, der ihm den Thron streitig macht. Gleichzeitig zeigen sie sich im Verlauf der Handlung als zunehmend komplexe, ja gebrochene Figuren.

Man kann zum Beispiel durchaus Verständnis entwickeln für Killmonger, der als Junge von T’Challas Vater zum Waisen gemacht wurde, weil sein eigener Vater in Oakland die Erniedrigung und Ausbeutung der Schwarzen nicht länger mit ansehen mochte und ihnen mit Vibranium das Mittel zum Kampf gegen die weissen Unterdrücker zugänglich machen wollte. Killmonger will nun mithilfe dieses Metalls, auf dem die technologische Überlegenheit Wakandas sowie die übermenschlichen Kräfte seiner Anführer beruhen, die ganze Welt befreien. Wie T’Challa aus diesem Ansinnen – und nach ganz viel handfester Action, versteht sich – seine eigene Politik entwickelt, darf als im besten Sinne dialektisch bezeichnet werden.

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