Nr. 29/2018 vom 19.07.2018

All good things … (Teil 2)

Etrit Hasler verabschiedet sich mit Dank und einem «Star Trek»-Zitat

Von Etrit Hasler

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Strand von Dahab, wo ich die letzten Jahre jedes Mal meinen jährlichen Text übers Tauchen geschrieben habe – darüber, wieso diese schweigsame Sportart für mich als konstante Schnurrimaschine ziemlich untypisch, aber einfach perfekt sei; oder auch, wie man unter Wasser gegen nervende FotografInnen vorgeht. Und so fern mir die Welt des Sports in diesem Moment scheint, so klar wird mir beim Schreiben dieser Zeilen, dass der Moment des Abschieds gekommen ist.

Es war, wie schon vor zwei Wochen erwähnt, ein wilder Ritt. Als Pedro Lenz und ich einen derart prominenten Kolumnenplatz in der WOZ übernahmen, war mir klar, dass die Aufgabe locker drei Stulpenschuhnummern zu gross war. Bis dahin hatte ich nur eine zynische Weltuntergangskolumne in der «Fabrikzeitung» geschrieben. Mein Kolumnenpartner war damals schon einer der profiliertesten Schreiber zum Thema Fussball der Schweiz (und das, bevor «Der Goalie bin ig» zum Kassenschlager wurde). Und das meiste, was ich über Fussball wusste, stammte aus meinen Binge-Episoden, in denen ich Fifa-Manager spielte – und aus den wunderbar pointierten Texten unseres Vorgängers Pascal Claude.

Also überliess ich das Feld Fussball mehr oder weniger Pedro und konzentrierte mich auf die Randsportarten. Allen voran auf meine Lieblingssportart Sumo, für die meisten Menschen ein unansehnliches Aufeinanderprallen schwabbelnder Asiaten in Unterhosen, für mich das wohlgeordnetste Ritual zwischen Wrestling und einem shintoistischen Schreinumzug. Ich machte Selbstversuche als Kickboxringsprecher, zwang mich, mir unbekannte Sportarten anzusehen – und fand dabei heraus, dass Formel 1 noch langweiliger ist als Kiffen. Meistens, wenn mir beim besten Willen nichts interessant genug erschien, schrieb ich halt über Politik und tarnte es als Sport. Dass es Frauen praktisch immer noch unmöglich sei, vom Profisport zu leben. Über die Rassentrennung in den USA und wie diese zu einer Negro League und einer Liga in den Internierungslagern für US-Japaner geführt hatte. Doch bei all dem hatte ich nie das Gefühl, ich sei nun Sportjournalist. Als mich der WDR vor dem Fussballspiel zwischen der Schweiz und Albanien als «Experten» befragen wollte, brach ich am Telefon in einen Lachanfall aus.

Es mag ja sein, dass ich mich in diesen acht Jahren zu einer Form von Laienexperten entwickelte – was recht einfach ist, wenn man pro Woche zehn Artikel zum Thema liest, einfach aus der Panik heraus, dass es wieder einmal nichts zu berichten gäbe. Und es mag auch sein, dass es recht einfach ist, «Experte» zu sein in einer hiesigen Medienlandschaft, in der gerade noch der «Blick» in seiner polemischen Kampagnenart und die NZZ in ihrem liberalen Nerdtum eine Sportberichterstattung machen, die diesen Namen verdient.

Doch wenn etwas zum Abschied klar ist: Ohne die Redaktion der WOZ hätte das alles nie geklappt. Insbesondere nicht ohne Ruth Wysseier (ja, ich schulde ihr noch immer einen Text über den EHC Biel), Adrian Riklin und Andreas Fagetti, die meine flapsigen Anglizismen und Oralitäten verbesserten und/oder Fakten überprüften. Und auch nicht ohne die Engel der Abschlussredaktion – Armin Büttner, Dinu Gautier, Roman Schürmann und Stefan Howald –, die ich manchmal mit Whisky bestechen musste, damit mein Text auch 24 Stunden nach der Deadline noch ins Blatt kam. Sonst wäre wohl alle vier Wochen statt meiner Kolumne ein Inserat oder ein Text über Cricket zu lesen gewesen. Habt Dank, ihr guten Seelen.

Und wenn ich zum Abschied noch ein Klischee erfüllen darf, dann endet diese Kolumne wie «Star Trek: The Next Generation»: Es fängt an mit einer Pfütze Urschleim. Und es hört auf mit den Worten: Alle guten Dinge müssen zu einem Ende kommen …

Mit diesem Text endet Etrit Haslers Kolumne «Fussball und andere Randsportarten» nach acht Jahren. Er wird weiter in der WOZ zu lesen sein, wenn Nerdwissen über Sport oder andere Unwichtigkeiten gefragt sind. Ansonsten gibt es ihn immer wieder auf der Bühne zu sehen oder in St. Gallen, wo er als Schreckgespenst für nationalkonservative und andere Anachronismen in zwei Parlamenten amtet.

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