Nr. 32/2018 vom 09.08.2018

Worte und Taten

Von Daniela Janser

Nur fünf von den zwanzig Filmen, die heuer auf der Piazza Grande gezeigt wurden, stammten von Frauen. Beim Herzstück des Festivals, dem internationalen Wettbewerb, sah es noch prekärer aus: Auf dreizehn Filme von Männern kamen drei von Regisseurinnen. Und gerade mal eine einzige Direktorin hatte Locarno in seiner 71-jährigen Geschichte. Eigentlich herrscht Einigkeit darüber, dass sich etwas ändern muss. Einen Anfang macht die Charta vom Swiss Women’s Audiovisual Network (SWAN), die in Locarno von einer illustren Runde aus Politikerinnen, Aktivistinnen, Künstlerinnen, Beamtinnen wie der eidgenössischen Kulturchefin Isabelle Chassot und – als einzigem Mann – dem Präsidenten des Filmfestivals, Marco Solari, unterzeichnet wurde. Zugesichert wird eine statistische Erfassung und Veröffentlichung der Geschlechterverteilung bei den eingegebenen Filmen und in den Auswahlgremien für das Festival. Dazu soll ein Gleichstellungsplan erarbeitet werden.

Solaris Rede zur Unterschrift zeigte allerdings, dass sich vor allem in einigen Köpfen noch etwas ändern muss, übertünchte er doch die Paritätsforderung mit einem pathetischen Plädoyer für die Liebe zu den Frauen, untermalt von Goethe, Dante und Zitaten weiterer toter Dichter. Liebe als Antwort auf Ungleichheit? Lieber nicht.

Eine andere wichtige, jedoch statistisch kaum zu erfassende Ebene liegt in den Filmen selbst. Sogenannte Frauenfilme kranken oft an Männerfantasien – wie auch der diesjährige Wettbewerb zeigte – und an der filmisch uninspirierten Umsetzung von virulenten Themen. Auch hier ist mit den Worten der Regisseurin Ursula Meier, einer weiteren Mitunterzeichnerin, «Action!» gefragt. Vermutlich wusste Meier da bereits, dass Suissimage, die schweizerische Urheberrechtsgenossenschaft für audiovisuelle Werke, ihr neues internationales Filmprojekt «Quiet Land» mit einer ausserordentlichen Prämie von einer Million Franken unterstützen wird. 400 000 weitere Franken gehen an Carmen Jaquier für ihren Erstling «Foudre». Bleibt zu hoffen, dass auch den Worten der Charta solche Taten folgen werden.

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