Nr. 07/2019 vom 14.02.2019

Keine Einsicht

Von Andreas Fagetti

Zahlreiche Skandale beschädigten 2018 den Ruf der Universität St. Gallen (HSG). Es geht um überhöhte Spesen, einen inhaftierten Honorarprofessor, den Rücktritt eines Professors als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank, um eine von der Finanzmarktaufsicht gerügte Marktmanipulation und um Nebeneinkünfte von ProfessorInnen (siehe WOZ Nr. 40/2018). Nun ist ein neuer Fall aufgetaucht: HSG-Professor Thomas Friedli verfasste eine Studie über die «positiven Auswirkungen» von Gegengeschäften bei Rüstungskäufen – er sitzt gleichzeitig im Fachbeirat des Rüstungsbetriebs Ruag.

Nicht zuletzt wegen einer bevorstehenden Abstimmung über einen neuen Campus handelten HSG und Universitätsrat: Eine Administrativuntersuchung befasste sich mit überhöhten Spesenbezügen, der ehemalige Raiffeisen-Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm wurde in ein Forschungssemester geschickt, Rechtsprofessor Peter Sester freigestellt und wegen mutmasslich überhöhter Spesen angezeigt. Und: Künftig müssen RektorInnen ohne Nebeneinkünfte auskommen – lukrative Nebeneinkünfte unter dem Deckmäntelchen des Praxisbezugs bleiben unangetastet. Zudem werden Universitätsgesetz und Spesenreglement revidiert und die Nebeneinkünfte von ProfessorInnen offengelegt.

Der Universitätsrat hält den Administrativbericht geheim. Selbst das Kantonsparlament als oberstes Aufsichtsorgan darf ihn nicht lesen. FDP-Fraktionschef Beat Tinner forderte den Bericht an. Der Universitätsrat verfügte Nichtherausgabe – und auferlegte Tinner Verfügungskosten von 150 Franken. Der Freisinnige stellt im Gegensatz zur Ratslinken die Ausrichtung der Uni nicht infrage, wirft aber der Aufsicht und der HSG-Leitung kollektives Führungsversagen vor. Das will etwas heissen. Denn die HSG ist ein Kind der Liberalen. Tinner will Anpassungen im Universitätsgesetz, um möglichen Schaden von der Uni abzuhalten. Doch Bernhard Ehrenzeller, designierter Nachfolger des in die Kritik geratenen Rektors Thomas Bieger, will die Politik auch künftig draussen halten. Einsicht sieht anders aus.

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