Nr. 19/2019 vom 09.05.2019

Smombie- Alarm!

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Der erste Fall wurde 2012 registriert. Seither hat sich die Zahl der in die Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig eingelieferten Kinder und Jugendlichen mit derselben Diagnose rasant erhöht. «Bald werden wir den ersten Todesfall erleben», ist Spitaldirektor Martin Lacher überzeugt.

Wahrscheinlich ist, dass es sich dabei um ein Mädchen handeln wird. Denn junge Frauen machen achtzig Prozent der Verletzten aus, die Lacher in der weltweit ersten Studie dokumentiert hat: darunter eine Beckenringfraktur, ein schweres Wirbelsäulentrauma, eine plattgewalzte Hand. Besonders verstörend dabei ist, dass die Verletzten nicht einfach Opfer waren, sondern eine «aktive Rolle» spielten – auch wenn es sich immer um einen Unfall handelte.

Ihre Diagnose lautet: Smombie – Smartphone-Zombie. Ja, die jungen Damen starrten zu obsessiv auf ihre Mobiltelefone, weshalb sie beim Überqueren der Strasse von einem Auto angefahren wurden, beim Selfiemachen durch ein Glasdach stürzten oder beim Versuch, das runtergefallene Handy von der Strasse aufzuheben, das geliebte Gerät mitsamt der Hand unter einem Autoreifen verloren.

Lacher sieht dringenden Handlungsbedarf. Er würde etwa den Bau von «Smombie-Pfaden» begrüssen – spezielle Fusswege für HandystarrerInnen, wie sie bereits in China, den USA, Belgien und Litauen existieren. Sinnvoll findet er auch Massnahmen, wie sie die Niederlande bereits ergriffen haben: Dort sind in mehreren Städten Lichtsignale für FussgängerInnen nicht mehr länger an Stangen entlang der Strasse montiert, sondern für Smombies besser sichtbar auf dem Boden angebracht.

Der Klinik- und Studienleiter führt triftige Gründe für seinen Alarmismus ins Feld: Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein als die tatsächlich gestellten Diagnosen. Will heissen: Die Smombies wollen oft einfach nicht zugeben, dass ihr Smartphone am Unfall schuld sein könnte.

Erwachsene sind übrigens nicht besser – in zwei Fällen landeten Kleinkinder im Spital, weil ihre Eltern sie mit dem Smartphone verletzt hatten. Unabsichtlich, hoffen wir jetzt mal.

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