Nr. 36/2019 vom 05.09.2019

Sie bleibt am Teersand kleben

Von Daniel Stern

Da hatte uns die Zurich-Versicherung fast ein bisschen beeindruckt. In einer Medienmitteilung bekannte sich der Schweizer Konzern Ende Juni nicht nur dazu, aus dem Kohlegeschäft auszusteigen, sondern auch beim Teersand eine rote Linie zu ziehen (siehe WOZ Nr. 27/2019). Und jetzt das: Auf den 31. August verlängerte die Zurich einen Versicherungsvertrag mit den Betreibern der umstrittenen staatlichen Trans Mountain Pipeline um ein Jahr. Diese transportiert aus Teersand gewonnenes Rohöl vom Norden Albertas an die kanadische Westküste, von wo es exportiert wird. Beim Teersandabbau in Alberta sollen langfristig Waldflächen im Umfang ganz Englands abgeholzt werden. Um aus dem Teersand Rohöl zu gewinnen, ist ein energieaufwendiger Prozess nötig, bei dem viel Wasser verschmutzt wird. Die Klimabilanz von Öl aus Teersand ist noch weit verheerender als jene von Erdöl aus konventioneller Förderung.

Am 28. August haben NGOs eine Petition mit über 50 000 Unterschriften beim Sitz der Zurich in Vancouver deponiert. Die Forderung: Die Versicherung soll sich an die eigenen Ansprüche halten und den Deal platzen lassen. Die Pipeline wird nicht nur von KlimaaktivistInnen abgelehnt. Auch AnwohnerInnen, viele davon Indigene, wehren sich seit Jahren, weil sie Lecks befürchten. Tatsächlich hat die Zurich nie angekündigt, sofort aus dem Teersandgeschäft auszusteigen. Vielmehr sollen die Kunden «in einem offenen Dialog» zu «Verhaltensänderungen» ermutigt werden, damit sie «ihre Abhängigkeit von kohlenstoffintensiven Aktivitäten reduzieren», wie die Versicherung auf Anfrage schreibt. Aber was soll das bringen? Die kanadische Regierung hat immer klargemacht, dass sie das Teersandgeschäft nicht aufgeben will. Im Gegenteil: Erst letztes Jahr hat sie die Trans Mountain Pipeline verstaatlicht, damit deren Kapazität ausgebaut werden kann. Das ist für die Exportabsichten des Landes entscheidend. Und jetzt soll sich Kanada ausgerechnet von einem Schweizer Versicherungskonzern vom Gegenteil überzeugen lassen?

Liebe Zurich-Versicherung: Steht doch einfach zu eurer inkonsequenten Haltung, die euch nicht nur Profit erzielen lässt, sondern auch Ärger mit der kanadischen Regierung erspart. Aber verschont uns mit PR-Geschwafel.

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