Nr. 47/2019 vom 21.11.2019

Überschätztes Freizeitverhalten

Von Stephan Pörtner

Das Reisen, dieses im vorletzten Jahrhundert von Kolonialisten erfundene Freizeitverhalten, geriet nicht nur aufgrund der verheerenden Klimabilanz in Verruf. Schuld daran war auch das Wetter. Weil es allein davon abhing, ob die Reisenden eine Reihe von Fotos heimbrachten, in denen sie in praktischen Regenjacken vor grauen Nebelwänden und Wolkenbändern standen, oder Ansichten derselben Personen vor Seen, Bergen und Weltkulturerben. Das Frustrationspotenzial war gewaltig, und da Hotels und Unterkünfte im Internet stets besser aussehen als im richtigen Leben, setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass die Welt als Reiseziel überschätzt war und man auch in Naherholungsgebieten verregnet und enttäuscht werden konnte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September ist sein neuer Köbi-Krimi «Pöschwies» im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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