Nr. 16/2021 vom 22.04.2021

Ungenierte RentnerInnen

Von Stephan Pörtner

Obwohl sich der Fortschritt der Seuchenimpfung nicht so rasch entwickelte, wie es gerne gesehen worden wäre, gab es doch sichtbare Zeichen desselben. Vor allem in den ausserhalb der Stosszeiten verkehrenden Zügen, in denen das stets reise- und ausflugsfreudige demografische Element der RentnerInnen wieder vermehrt anzutreffen war. Hatten sie lange als Hochrisikogruppe unter strengen Einschränkungen gelitten, so kamen sie nun als Erste in den Impfgenuss und prahlten damit ungeniert am Mobiltelefon. So nahmen die Bundesbahnen die Rückkehr ihres nach den PendlerInnen treuesten Kundensegments, das aufgrund grosszügig gewährter Preisreduktionen den erlittenen enormen Umsatzeinbruch niemals ausgleichen konnte, mit bestenfalls gemischten Gefühlen zur Kenntnis.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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