Nr. 13/2020 vom 26.03.2020

Wer zahlt die Miete und wo ist der Markt?

Während der Coronakrise klärt die WOZ Fragen ihrer LeserInnen. Haben Sie ebenfalls eine Anregung? Dann schreiben Sie auf wunsch@woz.ch.

Gibt es Bestrebungen, in der Krise keinen Mietzins einzutreiben? Während kleine Betriebe und Einzelpersonen harte Einbussen hinnehmen müssen, können die Besitzenden weiterhin auf die Mietzinse zählen. Gregor Szöllösy, Zürich
Lieber Herr Szöllösy! Geschäfte, die wegen der bundesrätlichen Massnahmen schliessen mussten, brauchen nicht auf die Politik zu warten: Sie haben vermutlich das Recht auf ihrer Seite. So macht der MieterInnenverband geltend, dass die aktuelle Situation einen Mangel an der Mietsache darstelle und die Mieten nicht oder zumindest nicht vollumfänglich geschuldet seien. Bevor nun die Gerichte mit einer Klagewelle konfrontiert werden, will Wirtschaftsminister Guy Parmelin mit einer Taskforce für eine einvernehmliche Lösung sorgen. Inzwischen empfehlen wir Ihnen die Website des MieterInnenverbands: Dort finden Sie nützliche Anleitungen, wie Sie auch als Privatperson vorgehen sollten, wenn Sie die Miete nicht bezahlen können. Oder wollen.

Warum wurden die Gemüsemärkte ohne Ersatz gestrichen? Ich persönlich fühle mich auf einem Wochenmarkt sicherer als in der Migros. Franziska Löpfe, Zürich
Liebe Frau Löpfe! Nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei den MarktfahrerInnen ist der Frust gross. Der Bundesrat hat die Wochenmärkte geschlossen, weil es sich dabei um öffentliche Veranstaltungen handle. «Unverständlich» findet den Entscheid etwa Walter Stettler, Präsident des Berner Wochenmarkts. Gemüse, Früchte, aber auch Blumen werden auf den Höfen verderben. Geschätzte zwanzig Prozent des Gemüses und des Obsts werden in der Schweiz über Märkte vertrieben. Stettler ärgert, dass sein Verein nicht einmal ein Sicherheitskonzept präsentieren konnte, um wie die Lebensmittelläden den Betrieb fortzusetzen. «Bei uns könnte man erst noch an der frischen Luft einkaufen.» Auch ein offener Brief an den Bundesrat hat nichts gebracht. Zahlreiche BäuerInnen wie Stettler haben nun ihren Hofladen ausgebaut, durchaus mit Erfolg. «Es kommen dreimal mehr Leute als üblich, damit ist der Markt aber noch lange nicht ersetzt», sagt Stettler. Eine nachahmenswerte Idee hat uns aus der Stadt Wil erreicht: Sie hat mit ihren MarktfahrerInnen einen Bestellservice für mehr als 150 Produkte eingerichtet.

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