Nr. 14/2020 vom 02.04.2020

Welche Zahlen stimmen?

Von Lorenz Naegeli

Während der Coronakrise klärt die WOZ Fragen ihrer LeserInnen. Haben Sie ebenfalls eine Anregung? Dann schreiben Sie an wunsch@woz.ch.

Welche eindeutigen Aussagen können aufgrund der aktuellen Datenlage zum Coronavirus gemacht werden? Und warum stimmen die Zahlen vom Bund und jene der Kantone nicht überein?
Liebe LeserInnen! Gleich mehrere Ihrer Fragen drehten sich diese Woche um die Datenlage und mögliche zahlenbasierte Vergleiche zwischen dem Coronavirus und anderen Krankheiten. Die Sterblichkeitsrate von Covid-19 zu berechnen, ist derzeit schwierig. Im Vergleich zu anderen Krankheiten fehle es noch an vielen Informationen, die Statistiken basierten derzeit nur auf den bekannten Fällen, erklärt Daniel Probst, der die Seite www.corona-data.ch betreibt. «Im Gegensatz zu einer Grippe gibt es zurzeit auch noch keine antiviralen Medikamente oder Impfstoffe.»

Trotz der unvollständigen Datenlage liessen sich bereits jetzt deutliche Unterschiede feststellen, meint Probst: «Die Reproduktionszahl von Sars-CoV-2 ist fast zweimal so hoch wie die der saisonalen Influenza.» Gemäss jetzigem Wissensstand sei das Coronavirus viel gefährlicher und tödlicher als eine Grippe. Probst verweist darauf, dass laut offiziellen Zahlen in ganz Europa jährlich etwa 40 000 Grippetote gezählt werden, in Italien jedoch in relativ kurzer Zeit über 11 000 Menschen durch Covid-19 gestorben sind. Wie genau unterschieden wird, wer mit dem Virus und wer am Virus selbst stirbt, konnte Probst nicht beantworten. In Italien oder Spanien seien die Gesundheitssysteme wegen der Grippe in den letzten Jahren auf jeden Fall nicht komplett überlastet gewesen.

Um schliesslich noch auf die Diskrepanzen zwischen den Zahlen des Bundes und der Kantone einzugehen: Hier vermutet Probst, dass die Kantone und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwar dieselben Fälle aufführen, sie aber zeitlich verzögert veröffentlichen. «Zudem könnte es sein, dass es Fälle gibt, die nicht auf kantonalen Websites publiziert werden. Ein Beispiel wären hier solche im Militär.»

Die Zahlen, die den Diskurs und die Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 prägen, basieren auf medizinischen und statistischen Überlegungen. Sie haben aber auch soziale Auswirkungen, die für gewisse Personen und Gruppen ungleich schwerer wiegen als für andere. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir über Zahlen sprechen.

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