Nr. 38/2020 vom 17.09.2020

Die Trolle verziehen sich endlich

Von Stephan Pörtner

In den weitverzweigten Gängen des Anbautrakts des lokalen Heims für Erholungsbedürftige kamen ihm tatsächlich andere Gedanken als die, aufgrund derer er von besorgten Mitmenschen in ebenjenes Heim verfrachtet worden war. So ging die empfundene Bedrohung durch adlerköpfige Breittrolle massiv zurück, ebenso das Angesprungenwerden von sechsbeinigen Blauspinnen. Endlich konnte er wieder über vernünftige Dinge nachdenken, wie die Umgestaltung des Nahverkehrsfahrplans zur verbesserten Kompatibilität mit seinen ureigenen Zeit- und Wegbedürfnissen. Auch wenn diese nie umgesetzt, seine Vorschläge von den Behörden nicht einmal zur Kenntnis genommen wurden, so erfüllte ihn diese Tätigkeit doch mit Elan und dem falschen Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu vollbringen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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