Nr. 17/2020 vom 23.04.2020

Deutschland im Augenwinkel

In sieben Tagen von Kreuzlingen bis Basel ist nicht nur das neue Zollregime erlebbar, sondern auch, wie der Lockdown das Leben der Menschen entlang des Rheins verändert. Eine Reise mit einer zurzeit umstrittenen Kulturtechnik: dem Wandern.

Von Benjamin von Wyl (Text) und Meinrad Schade (Fotos)

Die paar Schritte ohne Rucksack sind eine Wohltat. Als wir am dritten Tag in Diessenhofen TG eine Pause einlegen, hängen wir die Zelte zum Trocknen über das Geländer des verwaisten Rheinbads. Einer von uns schaut, dass der Wind die Zelte nicht wegträgt; der andere geht die paar Schritte zur gesperrten Rheinbrücke. Dort macht ein Spaziergänger gerade ein Foto. Die historische Holzbrücke an der deutschen Grenze kennt er schon sein Leben lang – hergekommen ist er wegen der Absperrung: «Boah! Nicht nur ein Gitter, sondern auch noch ein geschlossener Schlagbaum.»

Eigentlich sind es von Diessenhofen nur vier Kilometer durch das deutsche Gailingen bis nach Dörflingen SH, dem Geburtsort des Spaziergängers – nun braucht man dafür mehr als zwanzig. Das war ihm natürlich klar, aber der Anblick der verbarrikadierten Brücke, die immer offen war, überrumpelt ihn trotzdem. «Die Massnahme ist absolut sinnlos», sagt er, «auf beiden Seiten gibt es gleich viele Infizierte.» Die DiessenhoferInnen gucken von ihren Balkons und aus ihren Gärten nach drüben, wo genauso wenig passiert wie bei ihnen. Erst beim Zelteinpacken fallen uns die Schweizer Wanderwegweiser auf der anderen Rheinseite – in Deutschland – auf.

Während sieben Tagen wandern wir von Kreuzlingen nach Basel. Am Zaun, der Kreuzlingen von Konstanz trennt, hauchen sich die Menschen nicht nur romantische Botschaften zu. Sie sprechen auch über Renovierungsarbeiten, Küchengeräte und wie ein Putzmittel Joghurtbechern die Farbe wegätzt. «Suchen Sie etwas?», fragt uns ein Soldat, wohl wegen der Rucksäcke. Beim gesperrten Grenzübergang erklärt ein anderer Soldat ohne Umschweife, dass wir eine Busse bekommen, wenn wir die Grenze in die eine Richtung überqueren, und eine weitere bei der Rückkehr. Ebenso wenn wir etwas rübergeben. «Auch nichts Kleines, noch nicht mal einen Brief.» Ausserhalb der Stadt, am Wegrand Richtung Steckborn, finden wir zwar Stellen, wo Deutschland und die Schweiz bloss eine Böschung trennt. Aber diese steht unter Beobachtung: Auch als längst Felder und Scheunen die Landschaft prägen, sitzen noch alle paar Hundert Meter Soldaten in grauen Autos und schielen gen Deutschland. Wenn das überall so ist, wird die Schlafplatzsuche zur Qual, denken wir uns.

Die Wanderroute von Ost nach West (grosse Ansicht der Karte)Karte: WOZ

Bald teilt das Wasser die Länder – und damit auch die Grenzwachen an Land. Vereinzelt fahren Ausflugsboote auf dem Bodensee. Schilder des «Kantonalen Führungsstabs Thurgau» mahnen Gemeinden, verbotene «Anlandungen» aus Deutschland zur Anzeige zu bringen. Im Örtchen Gottlieben ist die Stimmung entspannter. Zwei Männer in Lederhosen montieren eine purpurne Schleife am Auto. Der eine gibt sich als Bräutigam zu erkennen. Menschen, die heiraten, tun es auch jetzt noch. Während der nächsten Stunden auf den Schotterwegen entlang der Villen und Anwesen am Ufer steigt der Ärger über die Privatisierung des Seeufers. Trotz Bodensee und Rhein bleibt das Militär präsent: Bis kurz vor Schaffhausen hören und sehen wir Armeehelikopter fast so oft wie die praktisch leeren Thurbo-Regionalzüge und die Rasenmähroboter der begüterten UferbewohnerInnen. Am 4. April um 12.18 Uhr überrascht uns am Waldrand bei Mammern TG gar der Ton des offiziellen Sirenenalarms. Auch in der Stadt Schaffhausen ist der Alarm gehört worden. Durchaus beunruhigend in der aktuellen Situation, denn der jährliche Testalarm war im Februar. Auf unsere Nachfrage beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) heisst es zum mysteriösen Alarm: «Auf unseren Systemen konnten wir einen entsprechenden Alarm nicht eruieren. Könnte es sein, dass der Ton vom grenznahen Deutschland stammte?»

Grenzgänger der paranoiden Art

Der Rathausplatz in Stein am Rhein SH: die Buchhandlung geschlossen, das «Goldhuus» geschlossen, aber im Restaurant Ilge ist was los. Im Gastraum sitzt jemand vor dem Macbook; in einer Ecke werden Haare frisiert. Es ist die Betreiberfamilie. «Das Restaurant ist jetzt unsere Stube», erklärt die Wirtin durchs offene Fenster.

AusflüglerInnen schlendern durch das Städtchen. Wahrscheinlich wären es bei diesem Wetter sonst mehr, aber dafür schlecken fast alle an Softeis. Sie haben es aus einem Restaurant, das der Wirt zum Take-away umfunktioniert hat. Eismaschine, Grill, und im Fenster ist das Getränkesortiment aufgereiht. «Soll ich Ihnen den Schüblig halbieren?», fragt der Wirt ein Pärchen. Der Kleinunternehmer hilft sich selbst und hat im Lockdown ungeahnte Energien freigesetzt, so scheint es. Als wir fragen, wie das Geschäft läuft, reagiert er bestürzt. Es sei extrem schwierig. Als wir uns als Journalisten zu erkennen geben, sagt er: «Sie dürfen schon Werbung für mich machen.» Hinter uns bildet sich eine Schlange; wir treten zur Seite. Der nächsten Kundin erklärt er, alle Medien seien gleichgeschaltet, Bill Gates profitiere von Corona, und die jetzige Verwirrung helfe den Mächtigen, das gesamte Gold aus dem Weltmarkt abzuzwacken. Uns hat er nur von seinem Antrag für «Staatshilfen» erzählt. Während er dem Pärchen den gehälfteten Schüblig serviert, redet er auf die beiden ein: «Sie gehören also auch zu den Aufgewachten, die die Wahrheit erblicken!» Zeit zum Antworten lässt er ihnen nicht. Es ist längst nicht unsere einzige Begegnung mit Menschen, die zu den Lockdown-Massnahmen und der Pandemie im Allgemeinen abenteuerliche Theorien aufstellen.

Vom Wandern

In der Lockdown-Schweiz ist Wandern, sonst die beliebteste Kulturtechnik des Landes, etwas Unbotmässiges. Während in Diessenhofen unsere Zelte trocknen, lesen wir in der «SonntagsZeitung» die entschiedenen Worte, mit denen Bundesrat Alain Berset vom Wandern abrät. Kurz darauf empört sich auch noch der ehemalige SRF-Wandervogel Nik Hartmann öffentlich über jene, die jetzt noch wandern, und der Verband Schweizer Wanderwege schreibt im Newsletter, man solle daheim bleiben.

«Jetzt heimgehen? Nein, da müsste es viel schlimmer kommen», sagt Michael Egli, den wir einige Kilometer flussabwärts von Diessenhofen treffen. Egli ist Steinmetz und als solcher seit sieben Monaten auf der Walz. Ein Abbruch der Wanderschaft kommt für ihn schon aus Tradition nicht infrage. «Das wäre merkwürdig. Unsere Vorgänger waren sogar während der Spanischen Grippe unterwegs.» Immerhin hat sein Dachverband CEEG zum «Füssestillhalten» aufgerufen: Gemäss dessen Anweisungen reist Egli nicht mehr per Anhalter und schläft bei Mitgliedern des Wanderschaftsnetzes oder draussen. Er begegne weiterhin Unbekannten; heute habe ihm jemand einen Kaffee geschenkt. Die Grundstimmung sei komisch. «Die Leute wollen nett sein, aber manche sind komplett in Gedanken versunken, wenn man sie anspricht.» In Schaffhausen, seinem Wanderziel an diesem Tag, will Egli dann einen Monat bei einer Bekannten verbringen. Über zwanzig Kilometer legt er heute mit seinem Bündel zurück. In der Lockdown-Schweiz ist das viel. Für seine Verhältnisse heisst es Füsse still halten.

Am Tag danach treffen wir Christina und Rolf Steiner bei einem Social-Distancing-Ausweichmanöver im Naturschutzgebiet zwischen Eglisau und Glattfelden (beide ZH). Im Grünen bewirken die BAG-Massnahmen, dass man manchmal genauer schaut: Wem räumen wir gerade zwei Meter Abstand ein? Die beiden 74-Jährigen sind braun gebrannt. «Uns geht es gut», sagt Christina Steiner. Jeden Tag seien sie lange draussen. Von ihrem Zuhause sind sie in alle Himmelsrichtungen gewandert, bis es ihnen «zum Hals raushing». Nun seien sie zum ersten Mal ins Auto gestiegen und an den Rhein gefahren. Ein Wanderpärchen im Risikogruppenalter – ist ihr Handeln verantwortungslos? «Wir halten uns wirklich an die BAG-Empfehlungen, so können wir unseren Beitrag leisten», sagt Rolf Steiner. Keine Tessinreisen, kein Fahrradfahren, nur Telefonkontakt mit Kindern und EnkelInnen. Leute aus der Nachbarschaft kaufen für sie ein. «Aber für meine Psyche ist Zeit in der Natur wichtig», sagt Christina Steiner und erzählt von ihrer Schwester, die alleine in Strassburg lebt und unter der Ausgangssperre leidet. «Zu zweit allein zu sein – es ist ein Geschenk.»

Eine Weile lang zu zweit allein sind auch die beiden Mittzwanziger, denen wir vielleicht eine Stunde danach begegnen. «Corona habe ich komplett vergessen in den letzten vier Tagen», sagt Matthias Lüchinger. Er und Mario von Ow zelten wie wir und reisen auf derselben Strecke wie wir – einfach in der Gegenrichtung. Die Begegnungen auf dem Weg seien allesamt positiv gewesen; auch das Zusammentreffen mit der Polizei sei glimpflich verlaufen. Der Polizist habe sie an der Feuerstelle im Naturschutzgebiet darauf hingewiesen, dass Zelten hier verboten sei, und ihnen sogar Schlafplätze empfohlen. Während des Gesprächs fliegt ein Militärhelikopter über uns hinweg. Es ist der erste, den die zwei anderen Fernwanderer sehen – und der letzte, den wir sehen.

Die Grenzbefestigungen sind im Aargau vor allem historisch. Weltkriegsbunker folgt auf Weltkriegsbunker. Im Aargau erkennen wir die Notlage am rot-weissen Absperrband und in Behördenmitteilungen: Rabiat ist der Ton, mit denen der Kanton Grillstellen und Fussballplätze für geschlossen erklärt. Wortfaul hingegen die Schilder an geschlossenen Grenzübergängen: «Grenze gesperrt Corona». An fast jeder Uferbank hängt ein BAG-Schild. Darauf oder daneben sitzen Leserinnen, Fischer, Meditierende – allein oder zu zweit. Sässen sie am Fluss, wenn kein Lockdown wäre? Manche kennen die Antwort selbst nicht. Das andere Ufer ist für die meisten unerreichbar – und deshalb fern. Näher sind die Spechte, die Baumstämme bearbeiten; im Schilf bereiten Schwäne ihr Nest vor. Wandern, zelten, einfach nie mehr reingehen: Unsere Reise hätten wir ohne den Lockdown nie gemacht – und trotzdem fühlen wir uns oft, als hätten wir Ferien von Corona. Umso härter dann jeder Kontakt mit der Zivilisation: wenn wir sechs Leute zusammen grillieren sehen und uns das stört, obwohl uns klar ist, dass die Zahl fünf in der Notverordnung willkürlich ist. Wenn wir Vorräte einkaufen und die Migros-Ansage säuselnd um die Einhaltung der Abstände bittet. Wenn es in einem 14 000-EinwohnerInnen-Städtchen unmöglich ist, nachmittags eine Take-away-Pizza zu essen.

Die ferne Atlantikküste

Nirgends brechen die Coronareflexe so unvermittelt über uns herein wie in Kaiserstuhl AG. In «Mena’s Stadtlädeli» ist es eng. Hier sind die Produkte nicht perfekt ausgeleuchtet, aber dafür regional. Mena Stuppan führte uns gerade noch vor, wie sie alle Oberflächen regelmässig mit reinem Alkohol desinfiziert. Plötzlich steht eine kleine Frau mit schlohweissen Haaren im Raum. «Oh, jetzt weiss ich gar nicht mehr, was ich gewollt habe», sagt sie.

Niemand traut sich einen Schritt zu tun. Jeder Schritt würde bedeuten, ihr zu nah zu kommen. Bald kommt eine Verwandte und holt die über Achtzigjährige ab. Die Coronagänsehaut hält noch an. Bei einer Beruhigungszigarette vor dem Laden erklärt Stuppan, dass sie für ältere Leute eigentlich einen Heimlieferservice biete und sonst darauf achte, SeniorInnen bereits vor dem Laden zu empfangen.

Schnurgerade und steil führt die Hauptgasse vor Stuppans Laden über die Brücke nach Deutschland. Aber sie ist gesperrt. «So schön ruhig ist es nur jetzt», sagt sie. Normalerweise rasen hier Autos durch, die den Stau umfahren wollen. Von der gesperrten Brücke profitiert ihr Geschäft, denn der Aldi in Hohentengen ist nun unerreichbar. «Nun läuft es ein kleines bisschen besser», sagt sie, die schon lange vor Corona um den Bestand ihres «Stadtlädelis» in der Kleinststadt am Rand des Kantons kämpfen musste.

Weil der Aargau der Polizei Ende März das Recht gab, die Bevölkerung im öffentlichen Raum live per Video zu überwachen, neue Kameras einzurichten und private anzuzapfen, sind wir aufmerksam. Aber wir sehen keine, und auch in Stadtparks kiffen auffällig viele Menschen unbeschwert – was soll man sonst tun? Von Repression berichten einzig zwei Eritreer, die Freunde in der Asylunterkunft von Stein besuchen: Beide hätten sie schon Bussen wegen Verstoss gegen das Versammlungsverbot erhalten, beide Bussen seien unberechtigt gewesen. «Schweiz halt», so der Befund des einen Eritreers. Als er mit einem Kind Fussball gespielt habe, habe er eine Busse erhalten – weil in der Umgebung andere Kinder gespielt hätten, die er nicht einmal kenne. Ein Bewohner der Asylunterkunft sagt, die Behörden gäben ihnen keine Chance zur Coronaprävention. «Wir wurden zwar informiert, aber das ändert nichts daran, wie eng wir zusammenleben müssen.»

Am offenen Fussgängerzoll in Rheinfelden stehen drei deutsche PolizistInnen und ein Schweizer Zöllner. Wir bitten den Zöllner um ein Interview; offensichtlich hat er Lust: Vierzig Minuten lang telefoniert er mit seinen Vorgesetzten. Es ist Feierabendzeit – zu spät für eine Erlaubnis. Aber so können wir vierzig Minuten von nahem schauen, wie die PolizistInnen Personalausweise kontrollieren.

Die Städte beiderseits der Brücke heissen Rheinfelden. Wer den jeweils passenden Pass vorzeigt, wird meist kommentarlos vorbeigelassen – egal ob im Übergewand einer Recyclingfirma oder im Mountainbiketenue. Anders bei der ersten Schweizerin, die nach Deutschland will. «Sie wohnen also in Deutschland und arbeiten in der Schweiz?» Der Polizist blättert im Ausweis und in der Sichtmappe, die sie mitgebracht hat. Er lässt sie schliesslich durch. Als Einziger abgewiesen wird ein älterer Herr, der statt eines Ausweises nur einen Schlüssel vorzeigt. Ein anderer will sich künftigen Ärger ersparen und kommt nur für eine Frage: Ist ein Bewerbungsgespräch Grund genug für die Einreiseerlaubnis nach Deutschland? Die PolizistInnen finden, eine schriftliche Bestätigung sollte reichen. Sicher sind sie nicht. Die PolizistInnen sind freundlich abwägend – so wie im Notstand erlebt man sie sonst kaum. Die Begegnung mit den Eritreern am Vortag hat uns aber gelehrt, dass das neue Augenmass wohl nicht allen gegenüber gilt.

In Augst BL ist das gesamte europäische Velowegnetz ausgeschildert – Wegweiser erinnern an die französische Atlantikküste. Auf Höhe der Chemiefabriken von Schweizerhalle sehen wir zum ersten Mal in unserem Leben einen Eisvogel. Die ArbeiterInnen im Hafen von Birsfelden tragen zwar Masken beim Verladen, aber bei dem Staub hier wäre das wohl auch ohne Pandemie empfehlenswert. Im Hardwald trainieren Junge auf dem Vitaparcours, und Alte spazieren. Ausser der älteren Frau, die Gummihandschuhe trägt, erinnert nichts an Corona. Die städtische Enge kehrt schon in Birsfelden zurück. Vor dem Coop stehen die Menschen Schlange. Es stört uns, wenn Leute nah an uns vorbeigehen. Wir merken erst jetzt, wie sich das Empfinden für gesunde Distanz zwischen Körpern nach der Wanderwoche verändert hat. Knapp hinter der Stadtgrenze von Basel trinken wir ein Bier am Rheinufer. Geschafft.

190 Kilometer Wanderweg liegen zwischen Kreuzlingen und Basel. Zu viel für eine Woche: Circa 130 Kilometer haben wir zu Fuss absolviert; zweimal sind wir mit Bahn und Bus gereist. Die S-Bahn von Neuhausen am Rheinfall nach Eglisau fuhr gar durch Deutschland. «Jestetten», sagte die SBB-Stimme, als wäre nichts. Doch der Zug fuhr einfach vorbei. «Lottstetten», sagte sie. Der Zug fuhr weiter. Andere PassagierInnen sahen nicht einmal vom Bildschirm auf. Unsere Wanderung fühlte sich auch deshalb wie Ferien von Corona an, weil wir eigene, kleine Sorgen hatten: Ab spätestens 18 Uhr verdrängte die Angst, keinen Schlafplatz zu finden, alles andere. Alle Campingplätze unterwegs sind geschlossen; manche Betreiber reagierten beim Anruf pikiert. Bis zum Eindunkeln hatte es dann immer geklappt: in einem Waldstück oberhalb von Steckborn TG, bei einem Bauernhof in Wagenhausen TG, in einem Garten in Flurlingen ZH, neben einem Bunker bei Rümikon AG, auf einem Stück Land, das dem Wirt des Gasthofs zum Anker in Mumpf AG gehört, und am Uferabschnitt flussabwärts von Rheinfelden, wo sonst die Ortsjugend feiert. Während wir dort abends beobachteten, wie die Fledermäuse über der Wasseroberfläche jagten, vergassen wir das andere Ufer, die Häuser und Parks.

Am nächsten Tag weckten uns statt der Sonne ausnahmsweise Kirchenglocken. Links und rechts von uns war es grün – keine Siedlung auf dieser Rheinseite. Wir brauchten einen Moment, bevor uns klar wurde: Das müssen Glocken ennet der Grenze sein.

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