Nr. 35/2020 vom 27.08.2020

Getrübte Schönheit

Von Stephan Pörtner

Die Erkenntnis, dass es im eigenen Land am schönsten sei, hatte sich auf breiter Basis durchgesetzt. In Vergessenheit geraten war dabei, dass die ganze Schönheit durch gleichzeitige Anwesenheit einer grossen Anzahl von Landsleuten empfindlich getrübt wurde. Wenn auch ausländische Reisegruppen, insbesondere weit hergereiste, für Irritation und Dichtestress gesorgt hatten zu Zeiten, in denen alles so war, wie es sein sollte, vermittelten sie trotzdem ein kosmopolitisches Grundrauschen, während die Einheimischen nur die dringlichen Fragen aufkommen liessen, ob sie denn nichts Besseres zu tun hätten, noch dümmer daherreden wollten oder nicht wenigstens eine Gartenparzelle besässen, auf der sie ihre Existenz zwischenlagern konnten.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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