Nr. 39/2020 vom 24.09.2020

Es wird eng draussen

Von Stephan Pörtner

Das Zuhausebleiben war nicht zum erhofften Megatrend geworden, der so viele Probleme gelöst hätte, von überfüllten Nahverkehrsmitteln bis hin zu inflationärer Festkultur, von der Verbreitung von Infektionskrankheiten einmal abgesehen. Nicht mal diejenigen, die ums Verrecken keine Masken tragen wollten, vermieden dies ganz einfach durch Zuhausebleiben, nein, sie fuhren im ganzen Land herum, um bekannt zu geben, sie fürchteten, man wolle ihnen verbieten, das zu tun, was sie gerade taten. Die Furcht, dass die Abwesenheit der eigenen Person niemandem auffalle und wenn schon wohlwollend zur Kenntnis genommen werde, jagte weite Bevölkerungsteile hinaus in die Welt, die vor kurzem noch ruhiger war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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