Nr. 40/2020 vom 01.10.2020

Disruption? Voll geil!

Von Stephan Pörtner

Aufsteigerin des Jahres war die Normalität, die eben noch um jeden Preis zu vermeiden gewesen war, wie nicht zuletzt die Werbeindustrie unermüdlich weisgemacht hatte. Kaum abhandengekommen, wurde sie nun auch von den RebellInnen, die ihre Nonkonformität durch den Erwerb von Massenprodukten und das Vertreten von Mehrheitsmeinungen unterstrichen, sehnlichst zurückgewünscht. Disruption schön und gut und eigentlich voll geil, aber doch nicht so, dass es am eigenen Lack oder gar am Wohlstand kratzt. Nicht, dass lieb gewordene Lebensgewohnheiten verändert werden oder über sie nachgedacht werden musste, das ging doch zu weit, und so wurde aus der letztjährigen Langeweile die gute alte Zeit.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch