Nr. 48/2020 vom 26.11.2020

Dreistheit in der Gaststätte

Von Stephan Pörtner

Das schon früher nicht unbedingt gern gesehene Herumlungern in Grossverteilergaststätten zu Arbeitszwecken war nun noch unbeliebter geworden. Es bedurfte schon einiger Dreistheit, beim Registrieren der Personendaten eine voraussichtlich mehrstündige Aufenthaltsdauer einzugeben bei gleichzeitiger Minimalkonsumation. Ein Vergleich der Registrationsdaten mit jenen der Kundenkarte würde diejenigen, die einen der aufgrund der einzuhaltenden Mindestdistanz ohnehin raren Plätze belegten, rasch entlarven, weshalb es besser war, auf die paar Punkte zu verzichten und die Rechnung anonym zu begleichen. Auch das Aufsetzen farblich unterschiedlicher Schutzmasken half, das Personal zu verwirren und davon abzuhalten, alle drei Minuten den Tisch zu desinfizieren und die Langsitzer dabei ordentlich einzunebeln.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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