Nr. 52/2020 vom 24.12.2020

Vom Verschwinden der Fantasie

Ruedi Widmer schreibt zu Weihnachten gegen die kalte Welt an

Von Ruedi Widmer

Ich finde es gerade als kreativer Mensch mit Freude an Farben und Geschichten schade, dass Fantasie seit dem Sieg von Joe Biden in der kalten, militärischen Politik von heute (Computer et cetera) keinen Platz mehr hat. Die Menschen in den USA konnten sich in den vergangenen vier Jahren unter dem gütigen Vater im Weissen Haus viele schöne Dinge vorstellen (Geld, Erfolg, Glück, Liebe, Gott), was auf die Psyche einen guten Einfluss hatte oder sicher einen viel besseren als kalte Zahlen, irgendwelche Wahlstimmen und Fakten der Demokraten. Denn diese sind lebensfern und nur für «Zahlenleute» gemacht.

Aber die meisten Menschen brauchen Farben, Gerüche, Formen, Berührungen, Haustiere, Waffen und ganz sicher keine kalten Zahlen. Die Fantasie half den Menschen in den USA auch, die Armut und Probleme der Obama-Zeit zu vergessen.

Menschen, Gesichter, Geschichten sind wichtig, sie schweissen uns als Schweizervolk zusammen. Was wäre die Lust ohne Ueli Maurer? Was wäre der Gewerbeverband ohne Hans-Ulrich Bigler? Eine seelenlose Abfolge von Atomen, ein Zahlensalat. Sie kämen an Ihren Bankschalter, und da sässe kein Mensch, sondern einfach eine nackte Zahl. Die «UBS-Zahl», die «Raiffeisen-Zahl». So etwas wäre doch kein Leben mehr.

Gerade Virologen haben seelische Schäden, weil sie nur mit nackten Zahlen arbeiten. Nacktheit, so lehrt uns die Bibel, ist schmutzig. Wenn alles nackt ist, ist nichts mehr angezogen, keine Schraube mehr, die die Welt zusammenhält, und deshalb haben wir heute in den von der Elite kontrollierten Spitälern statt Menschen nackte Zahlen in den Betten. Nicht der Mensch soll gerettet werden, sondern die nackte Zahl, besser gesagt, die Fallzahl.

Mit einer möglichst hohen Fallzahl erhält das mittlerweile unersättliche Pflegepersonal («Die Spitäler sind voll!») noch mehr Lohn als sonst schon, und mit etwas gesunder Volksfantasie kann das schnell mal das x-Fache eines normalen Wirtschafterlohns sein, viel mehr als ein tüchtiger Anwalt oder als die SVP-Nationalräte wie Thomas Matter und Thomas Aeschi verdienen, die immerhin etwas von «Wirtschaften» und von Geld verstehen, selbst wenn es für sie in ihrer sympathischen Bescheidenheit kaum das Wichtigste ist. Das Pflegepersonal geht hingegen in erster Linie wegen des Lohns arbeiten, nicht wegen der höheren Ideale Gott und Nation wie unsere besten Politiker. Ja, das muss man wissen. Schliessen wir diese Menschen an Weihnachten trotzdem in unsere Gebete ein.

Gerade das Skifahren hat eine heilende Wirkung auf die Seele unseres Volkes, insbesondere das Anstehen bei der Gondelbahn, denn die Geduld, die man dafür braucht, geht dem modernen Zahlenmenschen und seiner kalten, berechnenden Rationalität ab. Immer muss alles noch schneller gehen, immer muss man noch mehr Geld verdienen. Statt zwei, drei Tage in die Berge zu fahren, malochen die Leute wie gestört in ihren Homeoffices.

Trump stand in dieser Hinsicht quer in der Landschaft. Wie oft hat er doch getwittert statt gearbeitet! Man kann nicht immer nur arbeiten. Er wusste, was gut war für seine Seele. Statt einfach dem Mammon hinterherzurennen wie die Leute an der Wall Street, hat er sich in letzter Zeit Geld spenden lassen für seine Gerichtsverfahrenskosten. Gerade als Präsident hätte er wie alle anderen ja einfach in die Staatsschatulle greifen können. Er hat es nicht getan! Er lässt lieber die Menschen, seine Wähler und Fans, freiwillig für ihn spenden. Spenden dient einem guten Zweck und macht den Spender zu einem gemeinschaftlichen Wesen. Geld zu besitzen, macht nicht glücklich, das weiss der Spender, und wenn er damit jemandem in Not helfen kann, zum Beispiel einem von der Demokratie hintergangenen Menschen/Vater/Ehemann/Präsidenten, dann ist Gott auf seiner Seite. Frohe Weihnachten.

Ruedi Widmer predigt in Winterthur.

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