«Von Fischen und Menschen» : Der düstere Jura

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Mit einer Autofahrt in ein tief eingeschnittenes, dicht von Tannen bewachsenes Tal beginnt «Von Fischen und Menschen». Die Fahrt führt in noch finsterere Gefilde, es wird Nacht, und die Reise endet an einer einsamen Tankstelle im Wald. Aus dem Auto steigen eine Frau und ein kleines Mädchen, das Kind albert ein bisschen herum, plötzlich ruft es: «Mama, Mama, ich han dä Leu gseh» – und rennt los. Dann ein gellender Schrei der Mutter: «Milla!»

Es wird schwarz, und erst nach einigen Schrecksekunden erscheint der Filmtitel – bevor sich in einer Unterwasseraufnahme die titelgebenden Fische ins Bild schlängeln. Sie gehören zu einer einsam in einem Juratal gelegenen Forellenfarm. Hier lebt Judith (Sarah Spale) mit ihrer kleinen Tochter Milla. Der Alltag der Frau ist von harter körperlicher Arbeit geprägt, weshalb sie kürzlich den etwas jüngeren Gabriel (Matthias Britschgi) als Gehilfen eingestellt hat. Neben den Fischen und dem geheimnisvollen Löwen kommt als weiterem tierischem Protagonisten auch noch einem Fischreiher eine wichtige Rolle zu.

Sarah Spale, ein schreckliches Geschehen, eine fern an David Lynch erinnernde Atmosphäre im düsteren Jura: Ja, der erste Spielfilm der 1966 geborenen Stefanie Klemm gemahnt auf den ersten Blick an «Wilder», dessen zweite und dritte Staffel im Berner und im Neuenburger Jura spielen. Doch «Von Fischen und Menschen» ist, trotz kriminalistischem Subplot, weder Krimi noch Thriller, sondern ein atmosphärisches Drama um die Trauer einer Mutter. Die Geschichte wechselt immer wieder raffiniert die Zeitebenen, beachtlich auch die Bildgestaltung des polnischen Kameramanns Kacper Czubak. Gewidmet hat Stefanie Klemm ihren Film zwei im Sommer 2019 verstorbenen Menschen: ihrem Vater und dem Regisseur und Produzenten Res Balzli, einem ihrer Mentoren.

Streaming: Do, 21. Januar 2021, ab 12 Uhr für 72 Stunden auf www.solothurnerfilmtage.ch.

Von Fischen und Menschen. Regie: Stefanie Klemm. Schweiz 2020