Nr. 14/2021 vom 08.04.2021

Das Prinzip Hoffnung hilft nicht weiter

Von Anna JikharevaMail an AutorIn

Stolz präsentierte Zürich am Dienstag seine frisch eröffneten Impfzentren: #züriimpft. Endlich würde die Immunisierungskampagne auch im bevölkerungsreichsten und bisher langsamsten Kanton an Fahrt aufnehmen – und die Pandemie damit schon bald Geschichte sein, so die Hoffnung.

So verständlich der Wunsch nach Normalität auch ist, vor lauter erfreulichen Meldungen über die Impfoffensive gerät etwas Entscheidendes aus dem Blick: dass von aktiver Pandemiebekämpfung gerade nicht viel zu spüren ist. Die Tests in Schulen und Betrieben kommen in vielen Kantonen nicht richtig zum Laufen. Und laut einer aktuellen Umfrage haben sich fast zwei Drittel der Menschen in der Schweiz noch nie testen lassen. Immerhin sind seit dieser Woche kostenfreie Selbsttests erhältlich.

Um Bundesrat und Kantonsregierungen ist es ohnehin verdächtig still geworden – gestört wird die Ruhe bloss von den besorgten Zwischenrufen der ExpertInnen. Das Letzte, was man vor den Osterferien von Alain Berset vernahm, war eine kryptische Aussage über das angestrebte Impfziel: Es gelte, «die Hospitalisierungen von den steigenden Fallzahlen zu entkoppeln». Entsprechend argumentiert auch ein «Drei-Phasen-Plan» des Bundesamts für Gesundheit: Sobald die Risikopersonen geimpft seien, würden «strenge Richtwerte» obsolet. Als wären die inzwischen auch hierzulande längst dominierenden Virusvarianten nicht auch für Jüngere gefährlich; als böten die umliegenden Länder nicht genügend abschreckende Beispiele; und als würden WissenschaftlerInnen nicht schon seit Monaten vor den als «Long Covid» bekannten Spätfolgen einer Infektion warnen.

Während das Land erhitzt über randalierende Jugendliche und nationale Impfstrassen debattiert, sind realistische Perspektiven für Wege aus der Krise kaum noch Thema. Fast scheint es, als hätte man es aufgegeben, die dritte Welle zu brechen. Doch bis genug Personen geimpft sind, um einen Effekt auf die Virusverbreitung zu haben, werden noch etliche Wochen vergehen. «Augen zu und durch» bis dorthin ist keine gute Strategie.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch