Nr. 15/2021 vom 15.04.2021

Eine gewisse Lottrigkeit

Von Stephan Pörtner

Wenigstens Ausflüge waren wieder möglich, mit dem Zug über die Sprachgrenze in Gegenden, die bis anhin als zu durchquerendes Halbhübschgebiet wahrgenommen worden waren und plötzlich einen ganz eigenen Reiz versprühten. Dass hier selbst auf dem Land eine gewisse Lottrigkeit und Unaufgeräumtheit herrschte, erwies sich als erfrischend, die mitunter langen Wartezeiten auf die Abfahrt des Gegenzuges wirkten beruhigend. Sogar Schlösser – oder warens Burgen – standen nicht zu knapp herum, auf kleinen Anhöhen, die mit Wohnträumen aus einem halben Jahrhundert bebaut waren. Wiesen ohne Vieh, Plätze, auf denen irgendetwas irgendwann begonnen worden und dann ins Stocken geraten war, weckten in den Reisenden Niederlassungssehnsüchte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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