Nr. 35/2021 vom 02.09.2021

Kleintiere massakrierende Roboter

Von Stephan Pörtner

Der verregnete Sommer liess zwar die Rasenflächen spriessen, diese abzumähen wurde aber immer schwieriger, weil der Rasen bekanntlich ein ebenso steriles wie heikles Pflänzlein ist und nur bei Trockenheit mit dem kleinwagenteuren Mäher getrimmt werden darf. Selbst wenn dieses Kriterium einmal erfüllt war, beraubte die dann herrschende Kühle die Mähenden des Vergnügens, die Menschen, die rundherum ihren Garten geniessen wollten, mit knatterndem Lärm aufzuschrecken und an die Verderbtheit ihres untätigen Herumlungerns zu erinnern. Wenn das so weiterging, würden bald die leise schnurrenden, Kleintiere massakrierenden Roboter das Rasenzepter übernehmen, und die Tradition des samstagmorgendlichen Rasenmähens würde aus dem mittelständischen Volksbrauchtum verschwinden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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