Nr. 36/2021 vom 09.09.2021

Ein Jammer der Sommer

Von Stephan Pörtner

Als zu radikal wurde der Vorstoss der Partei pragmatischer PessimistInnen beurteilt, den Sommer in Jammer umzubenennen. Obwohl die Argumente stichhaltig waren, stiessen sie auf Ablehnung. Der Sommer war zu heiss, zu nass oder zu laut, die Menschen benahmen und kleideten sich gänzlich inadäquat, kaum dass gewisse Monate auf dem Kalender standen – ihr Hang zur Massenzusammenrottung in Städten und auf dem Land war aus ökologischer und seuchentechnischer Sicht ein wahrhaftiger Jammer. Es würde sich niemand auf eine Jahreszeit mit diesem Namen freuen, um dann Jahr für Jahr von derselben enttäuscht zu werden, denn wenn es mal schön war, war es überlaufen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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