Klimagesetz Glarus : Ein überraschend progressiver Entscheid

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«Es war ein magischer Moment; plötzlich hat alles gepasst», sagt Kaj Weibel. Nach zähen Verhandlungen und engagierten Plädoyers «im Ring» auf dem Zaunplatz in Glarus haben die GlarnerInnen an der Landsgemeinde vom vergangenen Wochenende mit einem progressiven Entscheid überrascht und sich für ein deutlich verschärftes Energiegesetz ausgesprochen.

Künftig dürfen im Kanton Glarus Öl- und Gasheizungen weder neu gebaut noch ersetzt werden, und alle kantonalen Gebäude müssen bis in knapp zwanzig Jahren mit mindestens neunzig Prozent erneuerbaren Energien beheizt werden. Dass das strenge Energiegesetz eine Mehrheit fand, ist umso bemerkenswerter, weil erst im Frühling in Glarus das CO2-Gesetz mit über sechzig Prozent Nein-Stimmen abgeschmettert wurde.

Die Bevölkerung habe das schweizweit strengste Energiegesetz vor allem dank der Mobilisierung der Stimmberechtigten aus der Klimabewegung und dank der Zahlen und Fakten der BefürworterInnen angenommen, ist Weibel überzeugt. Er ist Klimaaktivist und Vorstandsmitglied des Vereins Klima Glarus. Im Ring an der Landsgemeinde vertrat er einen der Verschärfungsanträge zum Energiegesetz: «Wir konnten die Leute davon überzeugen, dass die Wärmeerzeugung in Glarus für einen Grossteil der CO2-Emissionen verantwortlich ist und wir in diesem Bereich einen grossen Hebel haben.» Bis in dreissig Jahren sollen dank des neuen Gesetzes im Glarnerland 42 Prozent weniger fossiles CO2 ausgestossen werden.

Das Heizen ist auch in anderen Kantonen Kernpunkt von Vorlagen, über die bald abgestimmt wird. So kommt beispielsweise in Zürich im November das neue Energiegesetz vor das Volk. Weibel hofft auf ein schnelles Vorankommen der Energiepolitik in weiteren Kantonen und setzt auf ein bisschen «ansteckende Glarner Energie» für die ganze Schweiz.