Nr. 39/2021 vom 30.09.2021

Gegen den Mainstream

Von Stephan Pörtner

Etwas, das öffentlich zu äussern tatsächlich heikel war, wie Anna Kinsleider feststellen musste, waren nicht abstruse Theorien, paranoide Narrative oder althergebrachte Schuldzuweisungen zum Thema der Pandemie und ihrer Bekämpfung. Diese wurden trotz viel beschworener Meinungs- und Tatsachenunterdrückung im Dauersperrfeuer und mit beachtlicher Penetranz auf allen Kanälen geäussert, ohne dass die vermeintlich verfolgten Freiheitskämpfer:innen und Wahrheitsinhaber:innen schlimmere Konsequenzen als müdes Kopfschütteln oder erschöpftes Seufzen zu erdulden hatten. Womit sich Kinsleider aber in ihrem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis unmöglich und unbeliebt gemacht hatte, war die Feststellung, dass ihr dieser Sommer, ausser den Überschwemmungen, also rein vom Wetter her, sehr gut gefallen hatte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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