Nr. 39/2021 vom 30.09.2021

Die Zukunft beginnt jetzt

Unsichere Zeiten verlangen nach konkreten Utopien: Anlässlich des 40. Geburtstags der WOZ schauen wir nach vorne – mal analytisch, mal fantasievoll.

Illustration: Nando von Arb

Wenn die Zukunft auf diesen Seiten recht bunt und auch ein wenig fröhlich daherkommt, so heisst das nicht, dass wir die Gefahren der Zeit, in der wir leben, ausblenden. Zu behaupten, wir dürften ganz und gar unbekümmert in die Zukunft schreiten, wäre eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Es ist also keineswegs so, dass wir plötzlich in den Chor jener einstimmen, die die Klimaerhitzung, soziale Ungleichheiten und den grassierenden Rechtspopulismus verharmlosen. Doch der Kampf für eine bessere Welt ist nur dann aussichtsreich, wenn er nicht nur gegen, sondern mindestens ebenso für etwas einsteht. Dazu braucht es konstruktive Fantasie. Und weil die Zukunft immer gerade jetzt beginnt, hat uns der Illustrator Nando von Arb für dieses Dossier schon mal ein paar Fenster geöffnet.

Mehr Bewegung bitte!

«Um in die Zukunft zu schauen, hilft oft ein Blick zurück», schreibt Andrea Roedig in ihrem Essay auf der folgenden Seite. Das Jahr 1981, als die WOZ gegründet wurde, stand hierzulande im Zeichen der Jugendunruhen. Aus diesem Geist ist auch die WOZ geboren: «Freie Sicht aufs Mittelmeer» lautete eine der schönsten Parolen der Achtzigerbewegung. Darin kam zweierlei zum Ausdruck: rabiate Wut gegen die damalige Biederkeit und Enge auf der einen Seite – auf der anderen spielerisch-beschwingte Attacken für eine freiere Zukunft.

«Was ist das Besondere an den Dystopien, die seit den siebziger Jahren kursieren, und was unterscheidet sie von den heutigen?», fragt Roedig weiter. Gewiss: Heute ist es vor allem die Klimaerhitzung, die den Apokalyptiker:innen als Folie dient. Doch wie schon vor rund vierzig Jahren haben als Reaktion auf diese und weitere Bedrohungen neue Bewegungen an Kraft gewonnen, die Mut machen: die Klimagerechtigkeitsbewegung, die queerfeministische Bewegung und die Antirassismusbewegung im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste. Inwieweit sich diese zu einer gesamtgesellschaftlichen Kraft bündeln und ausweiten können, ist offen. Doch auch hier zeigt sich: Moralische Appelle allein haben die Welt noch nie zu einer besseren gemacht. Es braucht immer auch das lustvolle, erfinderische, waghalsige Element.

Seid exzessiv!

Wie weiter also? Im Gespräch zur Zukunft der Arbeitswelt erklärt der Wirtschaftshistoriker Aaron Benanav, warum die Automatisierung nicht das primäre Problem der kommenden Jahre ist und das Grundeinkommen kein Allheilmittel sein kann – vielmehr müsse künftig kollektiv-demokratisch entschieden werden, wie unsere gesellschaftlichen Ressourcen zu investieren seien; derweil erklärt Noëmi Landolt, weshalb wir in einer geschlechterbefreiten Gesellschaft weniger Gewalt erleben und stattdessen mehr (und besseren) Sex haben könnten; Bettina Dyttrich skizziert, wie umweltbewusst, fair und doch auch genussvoll wir uns in vierzig Jahren ernähren könnten; Yves Wegelin wiederum plädiert – ausgehend von der gegenwärtigen, durch die Coronamassnahmen bestimmten Debatte – für einen Staat der Zukunft, in dessen Zentrum das Recht der Schwächeren steht; Adrian Riklin wagt einen leicht utopischen Gang in die Stadt der Zukunft – und Franziska Meister geht der Frage nach, inwieweit wir unser individuelles, vielleicht gar kollektives Bewusstsein erweitern könnten. Ganz besonders ans Herz legen wir Ihnen die futuristische Zeitreise der Schriftstellerin Martina Clavadetscher.

Garniert haben wir das Ganze mit Ausflügen ins Jahr 2061. Die Nachrichten, die uns daraufhin exklusiv in die Gegenwart zugeflattert sind, lesen Sie über den ganzen ersten Bund verteilt. Wer den nostalgischen Rückblick auf die vierzig bisherigen WOZ-Jahre vermisst, sei auf die Seite 31 im zweiten Bund verwiesen: WOZ-Mitgründer Jürg Fischer hat ein Jubiläums-KreuzWOZ produziert, das viele wesentliche Eigenheiten der WOZ anspricht. Das Rätsel zu lösen, ist gewinnträchtig – und auch machbar, wenn Sie jünger sind als dieses Blatt. Jetzt aber: ab in die Zukunft. Halten Sie sich fest – und keine allzu harte Bruchlandung zurück auf dem Boden der Gegenwart (ab Seite 17)!

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Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ. Dieser Fonds unterstützt Recherchen und Reportagen, die die finanziellen Möglichkeiten der WOZ übersteigen. Er speist sich aus Spenden der WOZ-Leser:innen.

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