Nr. 49/2021 vom 09.12.2021

Bis hinter Martini

Von Stephan Pörtner

Die Tradition des Triumphzugs des Geschlechts der von Schwertfeger durch die Gassen einer nicht näher bezeichnet sein wollenden, sich von der Deindustrialisierung erst langsam und dank grosszügiger Umzonung von schützenswerten Gebieten zu Immobilienparks erholenden Kleinstadt irgendwo in der Deutschschweiz war untergegangen, ohne dass sie vermisst wurde. Letztes Mal im Jahre 1983 durchgeführt, also Jahrhunderte nachdem auch die letzten Angehörigen dieser unter zweifelhaften Bedingungen in den Niederadel aufgenommenen Familie von Holzofenbäcker:innen ausgestorben oder ausgewandert waren. Selbst die traditionsverbundensten Heimatvereine mussten zugeben, dass es sich bei diesem Brauch um nichts anderes als einen Beizensturm handelte, der offene Zechen bis hinter Martini zurückliess.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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