Nr. 13/2022 vom 31.03.2022

Arbeit ganz unten

Von Florian Wüstholz

Gerade in der Pandemie wurde deutlich, wie wichtig die Arbeiter:innen in der Landwirtschaft, in der Pflege oder in der Logistik für das Funktionieren der Gesellschaft sind: Sie betreuen die Grosseltern, liefern fast rund um die Uhr Essen an die Haustüre und reinigen Treppenhäuser, Spitäler, Firmengebäude. Trotzdem liegen die Lebens- und Arbeitsrealitäten der sogenannt systemrelevanten Arbeiter:innen oft im Verborgenen. Hier bringen die im Band «Verkannte Leistungsträger:innen» versammelten Berichte und Interviews Licht ins Dunkel.

In 22 Beiträgen illustrieren die Autor:innen, wie ausgerechnet diese Arbeit fast ausnahmslos prekär ist. Auch wenn sich die untersuchten Branchen nämlich von Beitrag zu Beitrag ändern, gleichen sich die Schicksale und die Zusammenhänge der darin porträtierten Menschen frappant: Es dominieren schlechte Bezahlung und unsichere Arbeitsverhältnisse in der Leiharbeit und bei Subunternehmen, und besonders häufig werden migrantische Arbeiter:innen ausgebeutet.

Die Arbeiter:innen selbst schildern gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen sowie Kontroll- und Herrschaftsmechanismen, die verhindern sollen, dass sich die Menschen organisieren und ihre Lage verbessern können. Viele der Porträtierten erfahren so in der Realität statt Wertschätzung nur Ohnmacht. «Für sie geht das Versprechen der Autonomie und Humanisierung der Arbeit zumeist nicht auf», schreiben die Herausgeber:innen Nicole Mayer-Ahuja und Oliver Nachtwey, beides profilierte Soziolog:innen.

Auch wenn dieses Buch nur bedingt hoffnungsfroh stimmt, illustrieren die versammelten «Berichte aus der Klassengesellschaft» doch auch den Widerstand, die Kritik und die Handlungsfähigkeit jener, die «den Laden am Laufen» halten. Ihnen wäre mit einer Politik, die eine Verbesserung ihrer materiellen und rechtlichen Lage ins Zentrum stellt, weit mehr gedient als mit selbstgefälligem Balkonapplaus.

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